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Eva Spittaler

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2007-01-10

Montag

Textprobe aus


Eva Spittaler: "szenen.wechsel", K Verlag, 2006

„Was ist? Nimmst du ihn? Ich muss sonst etwas anderes suchen.“
Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung klang etwas ungeduldig.
„In Gottes Namen, ja! Ich werde den Ferdinand schon überzeugen, dass er eine Hilfe gut brauchen kann. Er ist ja nicht mehr der Jüngste. Allerdings will er von Pensionierung nichts hören. Also schick’ ihn morgen vorbei, dann kann er sich einmal umschauen. Aber du weißt, ich bestehe auf einer Probezeit!“
„Ja, ja! Darüber mach ich mir keine Sorgen. Wenn du ihn einmal kennen gelernt hast, wirst du wissen, warum ich mich für ihn so einsetze. Und jeder verdient eine zweite Chance, waren vor nicht allzu langer Zeit Worte in deiner Predigt.“
„Du hast ja Recht. Ich werde schon schauen, dass alles klappt. Der Ferdinand wird im Innersten froh sein, auch wenn er es nie zugeben wird.“
„Gut! Ich danke dir. Bis bald!“
„Gott sei mit dir!“

Mit einem lauten Seufzer legte der Abt das Telefon zur Seite. Die Sozialarbeiterin des Jugendamtes war eine ehemalige Schulkollegin und sehr engagiert in ihrem Job. Das imponierte ihm. Als sie ihn aber bat, einen ihrer Schützlinge als Gärtnerlehrling aufzunehmen, war er zuerst sehr skeptisch. Der Bursche musste eine bedingte Jugendstrafe verbüßen und würde einen Teil davon erlassen bekommen, sobald er eine fixe Lehrstelle vorweisen konnte. Eine heikle Angelegenheit! Wie konnte er sicher sein, das er seine kreative Ader nicht auch auf den denkmalgeschützten Klostermauern ausleben würde. Nicht auszudenken, wie das gotische Kirchenportal in Graffiti-Umrahmung aussehen würde. Eine Schlagzeile wäre es den Zeitungen sicherlich wert, und Touristen würden wie Mücken im Sonnenlicht umherschwirren. Aber sie kämen nicht aus innerer Überzeugung in die entlegene Gegend und so sollten sie gefälligst bleiben, wo sie auch sonst ohne Ehrfurcht vor dem Schöpfer ihre Tage verbrachten. Nein, er musste sofort mit Ferdinand sprechen. Der alte Klostergärtner musste auf den Knaben aufpassen und durfte ihn keine Sekunde alleine lassen.

Er verließ das Büro, froh, einen Grund gefunden zu haben, nach intensiven Arbeitswochen endlich ein paar Schritte im Klostergarten machen zu können. Er wusste, er würde Ferdinand dort finden. Ferdinand war von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit immer dort zu finden. Manchmal, wenn er nicht schlafen konnte, saß der Gärtner sogar nachts auf einer Bank im Garten und zählte die Sterne. Der Klostergarten war sein Zuhause, seit er schwer verletzt aus einem Krieg zurückgekehrt war, dem er in einem fernen Land in jugendlichem Freiheitsdrang und vermeintlichem Gerechtigkeitssinn beinahe sein Leben geopfert hätte. Ohne zu hinterfragen war er von den Ordensbrüdern gesund gepflegt worden. Und der Garten war im Laufe der Jahre zu seinem Heiligtum geworden. Er war nicht religiös und doch gläubig, nämlich dann, wenn er in seinem Paradies die Schöpfung Gottes hautnah spüren konnte. Das wusste der Abt und war sich gerade deshalb gar nicht sicher, ob Ferdinand den Lehrling akzeptieren würde.

Die bunten Wiesenblumen strahlten um die Wette, und ihr Anblick ließ die Zweifel schwinden. Er fand den betagten Mann im Obstgarten, wo dieser mit Säge und Schere bewaffnet dem unbändigen Wachsen der Bäume Einhalt gebot und ihnen den perfekten Schnitt verpasste. Allerdings stand er sehr wackelig auf der hohen Leiter, und dem Abt wurde Angst und bang, als er ihn beim Heruntersteigen beobachtete. Jetzt war er überzeugt, dass der Gärtnerlehrling eine gute Idee war. Für diese und ähnliche Arbeiten musste dem Ferdinand ein junger Gehilfe zur Seite stehen.
Der Klostergärtner war über den Besuch hoch erfreut. Viel zu selten bekam er den Abt zu Gesicht, mit dem er in beinahe väterlicher Freundschaft verbunden war. Der junge Pater hatte stets an seine Genesung geglaubt und war in den kritischen Tagen nicht von seinem Krankenbett gewichen. Ferdinand war nur langsam wieder zu Kräften gekommen, und es war nicht zu übersehen gewesen, dass dieser Mensch gebrochen war, und jegliche Perspektiven verloren hatte. Damals führten die beiden Männer unzählige Gespräche über die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen, den Gerechtigkeitsbegriff in unterschiedlichen Kulturkreisen oder auch den Willen und die Gnade Gottes, wie es der Pater nannte. Die Karriere des Ordensbruders war stetig bergauf gegangen, und er, der in dieser Umgebung zur Ruhe gefunden hatte, hatte diesen Werdegang mit großer Zufriedenheit verfolgt. Als dann ein neuer Abt zur Wahl gestanden war, war es einer der wenigen Momente in seinem Leben gewesen, in denen er Gott um Beistand gebeten hatte.

Sie setzten sich auf eine Bank. Die Sonne wärmte um diese Tageszeit bereits genug, um ein Weilchen auszuruhen. Der Abt schilderte den Grund seines Kommens, und je länger er erzählte, desto tiefer wurden die ohnehin schon markanten Falten auf Ferdinands Stirn. Er hatte noch nie Hilfe gebraucht, und jetzt sollte so ein junger Hüpfer ihm in seinem Reich im Wege stehen? Was sollte das für eine Hilfe sein? Der konnte nichts, und der wusste nichts! Nachdem ihn der Abt aber überzeugt hatte, dass auch er sterblich war, und es besser wäre, wenn jemand den Klostergarten übernehmen könnte, der von ihm persönlich alles erlernt hatte, willigte er ein. Aber er gab keine Garantie, dass es gut gehen würde.

Beruhigt, aber doch ein wenig verunsichert, verließ der Abt schweren Herzens den geliebten Klostergarten.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin:
Spittaler Eva:"szenen.wechsel",
K-Verlag, 2006

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