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Wolfgang Bergen

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2006-10-30

Wir sind wir

Wie man mit einem Wahlkampf jenseits von Gut und Böse in Kärnten immerhin jede vierte Stimme einfangen kann, hat uns das BZÖ vor kurzem eindrucksvoll bewiesen. Hier soll es aber nicht um das tschetschenenfreie, einsprachige Kärnten gehen, sondern um mein schönstes, persönliches Wahlkampferlebnis mit der merkwürdigen Orangenpartei.

Eines sonnigen Freitagmittags im wunderbar warmen September 2006 hat es mich nach Völkermarkt verschlagen. Völkermarkt ist das Nervenzentrum einer weithin unbekannten Region, Unterkärnten oder auch Unterland genannt. Vermutlich deshalb, weil die ganze Gegend aufgrund der geringen Seehöhe klimatisch nicht sehr begünstigt ist und sich daher beinahe das ganze Jahr unter einer dicken Nebeldecke zusammenkuschelt. Das ist für den Durchreisenden auf der nahen Südautobahn angenehm, weil dann die so genannte bzw. selbsternannte „Abstimmungsstadt“ vor seinen Blicken verborgen bleibt. Außer einem Nikoloo-Markt, mit der Betonung auf dem zweiten Oh, ist dort ohnehin nicht wirklich was los.

Nicht so an diesem Freitag. Erstens schien auch in Völkermarkt die Sonne, und zweitens trug sich folgende Geschichte zu:

Auf der Hauptdurchzugsstraße mit dem Namen Hauptplatz war mal wieder, erraten, nichts los. Nur ein Mann mit einem orangefarbenen Hemd, nämlich ich, war auf der Suche nach einem Schanigarten, um den allgegenwärtigen Durst ein wenig zu lindern. Das Hemd hatte ich mir beim Kleider Bauer in der Villacher Bahnhofstraße von einer netten Verkäuferin als topmodisch einreden lassen. Ich bin ja in solchen Dingen eher unbedarft, und wenn mich nicht hin und wieder eine Dame mit gutem Geschmack bei der Bekleidungsauswahl unterstützen würde, hätt ich heute noch eine Stretchhose, eine Antiklederjacke vom Tarviser Markt und Collegeschuhe an und tät aussehen wie ein DDR-Flüchtling von 1989.

Plötzlich durchschnitt ein Ruf die beschauliche Herbstidylle.
„He du, kum amol her do!“
Ich drehte mich um. Da sich sonst niemand in der Nähe befand, galt der Ruf wohl mir. Einem silberfarbenen Mercedes, Marke Kleinunternehmer vom Land, entstieg auf der anderen Straßenseite ein kleiner Mann mit grauer Igelfrisur und rundum verspiegelter Sonnenbrille aus. Er machte eindeutige Gesten in meine Richtung. Auf der Heckscheibe des Autos prangte das BZÖ-Logo neben dem „Wir sind wir“- Sinnspruch. Ich dachte mir, vielleicht braucht er Hilfe, vielleicht ist der Motor abgesoffen, was auch immer. Schließlich ist ja auch ein BZÖ-ler ein Kollege aus der großen Gruppe der Menschheit und ich bin sein Straßenkamerad.

Es kam zu folgender Unterhaltung:
„Bist aa ana von uns?“
„?“
„Jo schau amol aufs Auto!“
Ich tat wie befohlen. Auf dem Beifahrersitz saß eine Dame mittleren Alters mit einer Elektroschockfrisur in der Parteifarbe, die mir verlegen zulächelte. Die Dame, nicht die Frisur, natürlich.
„?“
„Bezetöh! I man, wegen deim Hemd do!“
Nun hatte ich kapiert. Der vermeintliche Pannenpilot war in Wirklichkeit die Speerspitze eines Wahlkampfteams der Orangen, und anstatt sich irgendwo kalte Füße zu holen, versuchte er bei einem Sympathisanten – denn jemand mit einem orangen Kleidungsstück konnte nur ein Sympathisant sein-, offene Türen einzurennen.
Ich antwortete wahrheitsgemäß:
„Naa. I hob dos Hemd anfoch so on.“

Auch der wackere Wahlkämpfer hatte nun seinen Irrtum eingesehen. Was nun folgte, war Intensivwahlkampf a la BZÖ.
„Is jo wuascht. Wöhlst uns trotzdem.“
Er öffnete seinen Kofferraum. Der war voll mit Wahlkampf-Gimmicks.
„Dafia kriagst a Autogramm vom Schef,“ sagte der Mann und überreichte mir eine Autogrammkarte des Parteigründers.
Nachdem ich anscheinend nicht mit der angemessenen Begeisterung reagierte, erklärte er mir:
„Des is ka gwenlichs Autogramm. Des is in Plastik eingschwaßt,“ – ich war aber trotzdem noch nicht überzeugt, daher legte er ein Schäuferl nach: - „und do host aa ans von mir. Gib ma a Vurzugsstimm. Do obm steht mei Nomen, den brauchst in da Wohlzölln nur obschreibm. Und do host a poa Kuli, und do host a poa Schlüsslon-hänga, de gibst deine Hawara, do kennen se im SPAR de Einkaufswagalan losmochn, de hom e nia a Göld.“
Mittlerweile hatte ich beide Hände voll mit Geschenken.
„Woat, kriagst a Sackl“, sagte er und holte ein gebrauchtes Jausensackl aus dem Auto. Er hielt es auf, ich leerte die Gaben hinein, und die purzelten durch das Sackl durch auf die Straße. Es hatte wohl ein Loch.
„Ka Problem, kriegst a neies.“ Offensichtlich waren ihm aber die Säcke ausgegan-gen, und er stopfte die am Boden verstreut liegenden Dinge in eine Klarsicht-Dokumentenhülle, und nicht nur die, sondern auch Feuerzeuge, „Wir sind Wir“-Aufkleber („de gibst nur deine Hawara mit de bsundas rostign Autos“) und eine Anstecknadel mit dem Fürstenstein.
Die Infos zu dem letzten Präsent waren besonders lehrreich:
„Dos is da Fürstenstan. Wasteh, den wos se uns wekneman wollten (vermutlich die Slowena, weil sie ihn als Rückseite für die 1-Cent-Münze benutzen, Anm.). Dos is wos gonz bsundas, dos kriagt nit a jeda.“
Am Wahrheitsgehalt der letzten Aussage beschlichen mich leise Zweifel; immerhin hatte er einen 15-Liter-Eimer voller Ansteckfürstensteine im Kofferraum.
„So, seavas, wöhlst mi donn. Vuazugsstimm, waßt eh.“
„Seavas.“
Mein Wohltäter rauschte mit Kavalierstart ab. Er hinterließ mich sprachlos. Ich nutzte eine Inventur, um meine geistigen Kräfte wieder zu sammeln. Diese ergab:

1 Autogramm des Parteigründers, DIN A 5 (Papier in Plastikfolie)
1 Autogramm des Wahlkämpfers, DIN A 5 (ebf. Papier in Plastik)
6 Einwegkulis „BZÖ“, orange (außen), schwarz (innen)
15 Einkaufswagen-Aufsperr-Schlüsselanhänger „BZÖ“, orange
2 Einwegfeuerzeuge „BZÖ“, orange auf weiß
7 Aufkleber oval, „Wir sind wir“, orange auf weiß
1 Anstecknadel, vermutlich Messing, „Fürstenstein“, incl. Info-Booklet
1 Jausensackl kaputt
1 Klarsichtfolie, gebraucht
1 Villacher in Völkermarkt, verwirrt.

Als Sofortmaßnahme warf ich das ganze Paket in den nächsten Mistkübel (grün).
Im Schanigarten eines Völkermarkter Cafes grübelte ich über diesen Mikro-Event. Und darüber, wie in den BZÖ-Kaderschmieden die Vorbereitung von Nationalräten in spe auf ihre Begegnung mit dem Souverän, dem Wahlvolk, wohl so abläuft.
Und darüber, wie viele stolze Träger der Fürstenstein-Anstecknadel ich wohl dem-nächst treffen werde.
Und darüber, ob es nicht auch für Erwachsene angebrachter wäre, auf „Kumm her do“-Rufe von Fremden nicht zu reagieren.

Das Hemd habe ich jedenfalls seitdem nicht mehr getragen.

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Alex, 2006-11-02, Nr. 2997

Wir sind wirr! lg.

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