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Ludwig Roman Fleischer

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2006-07-08

Reaktivierung

Zurück zu Schule, 1. Kapitel

Eigentlich hatte es geheißen, in bestehende Verträge würde nicht eingegriffen werden. Doch dann zeigte eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie, dass auf zwei komma sechs pensionierte Beamte nur noch ein halber aktiver kam, dass zwei Ruheständlern nur noch eindreiviertel arbeitende Staatsbürger gegenüberstanden und somit der Bankrott des Pensionswesens bevorstand. Und darum steht Markus Terlaner die Reaktivierung in den aktiven Lehrerstand bevor.
Zum Frühstück trinkt er erstmals seit Langem wieder Alkohol. Ein Miniaturfläschchen Paddle 's Olde Irish Whiskey, parallel zum Morgenkaffee. Jahre der Trockenheit, des unermüdlichen Lesens, Joggens, Rad fahrens und biologische Produkte essens werden im Geist aus dem Flakon feucht gelegt (humorisiert quasi) und von Unterrichtsreminiszenzen übernebelt. Mit Fettflecken und Marmeladepatzen besprenkelt, liegt das Schreiben des Ministeriums unter Terlaners Kaffeehäferl: Haben Sie sich unter Beibringung des gegenständlichen Schreibens am um zu einem Arbeitsprozess-Wiedereingliederungs-Eignungstest im Stadtschulsenat Abteilung so, Zimmer zig einzufinden. Gegen diesen Bescheid ist kein Rechtsmittel zulässig. Terlaner finalisiert den Paddle und tritt an die so lange verwaist gewesene Hausbar heran, um mit einem Schluck Tresterbrand nachzuspülen. Damit sein Magen alles verträgt und Terlaners olfaktorisches Auftreten überzeugt, nimmt er auch noch etwas Pirkers Marlazeller Jagasaftl zu sich. Mehr Alkohol ist nicht im Haus. Als Terlaner gegen seinen Hometrainer stolpert, merkt er, dass er nicht mehr in Form ist. Mehrjährige Abstinenz hat die Trinkkondition schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Hofrat Tuschl sitzt, seinen Monumentalwanst mit fetten Wurstfingern betätschelnd, am Schreibtisch. Hinter ihm an der Wand spreizt linkerseits das Bundesgeflügel seine Schwingen, rechterseits bleckt das Konterfei des Bundespräsidenten die Zahnhälse.?
„Hawedjehre, Kollege Terlaner, Hawedjehre", dröhnt Tuschl in adipöser Benevolenz,?
„gelln'S, da schaun'S, wo ma sich überoi wiedasieht, newoah? Willkommen im Klub der wieder Willkommenen. Sie wissen, worum's geht, mia wean kaan Test brauchen, Sie sind ja fit ois wiar a Schrammelfiedel! Könnterten glatt Ihna eigener Sohn sein, newoah? So a poa Jahr in Zwischenruhestand bringen einen so richtig in Form, wos? Aber,"
ein voluminöser Zeigefinger erigiert sich über einem Packen Akte und einer angebissenen Wurstsemmel
„döm Gösötz muss Genöge götan werden. Alsdann, setzen'S sich Ihnen, machen'S sich Ihnen ungemütlich und antwortend mir die poa Frogen be. Reine Formsoch, newoah, reine Formsoch!"
Terlaner sinkt - alkoholisch phlegmatisiert - in den Polstersessel vor der parteiseitigen Kante des Tuschischen Schreibtisches, eine ostentative Jagasaftlschwade veratmend.
„Hamma piperlt, Herr Kolleg?"
dröhntTuschl,
„nutzt Ihnen einen Tineff, das ham schon zu vühle Probanden probiert! Saufen ja ohnehin siebzig Perzent der Pädagogenschaft, Mössjöh! Muass ma ihm schon zugestehn, einem Lehrer, dass er einen leert, hin und wieder, gell? Wenn'S wieder aktiv sind, können'S ja in der Pause tschechern. Solang's im Unterricht net umfalln, is dos kein Problem. Aber Sie ham ja eigentlich immer wos vertrogen, newoah? Geht's Ihnen besser -,"
Tuschls fülliger Arm fördert aus einer Lade eine dickbäuchige Flasche zutage -,
„wenn ich Ihnen einen zwanzigjährigen Port kredenz?"
„Nein",
versetzt Terlaner aufrichtig, denn das hustensirupartige Gesöff hat er nie ausstehen können.
„Bravo!",
röhrt Tuschl,
„erste Aufgab' bravourös gelöst: Kein alkoholisches Suchtverhoiten ortboa! Kiffen'S noch immer, Herr Kolleg?"
„Nein",
antwortet Terlaner, und denkt im gleichen Atemzug, einen Fehler begangen zu haben.
„War kein ausg'sprochenes Hindernis g'wesen, weil sich die Freiheitlichen ja mit Ihrem Haschtest für Lehrer net durchg'setzt ham. Aber besser is die Grasaskese in Ihrem Alter allerweil, schon wegen dem Pumperl, gell? Tschanken tun´S auch net, das sehert ich Ihnen an, und ein Kokserl oder zwei tömen ja eher an, haha. Nein, Kolleg Terlaner, Sie schauen mir ganz nach Vitaminersatztabletten, Kürbiskömdeln und Biopletschenmotschka aus, sonst täten ´S so blaad sein wie ich und net so a spätrankes Bürscherl wia Sie! Keinerlei Übergewicht, keine Altersflecken, Brillen tragend keine und die Haar sind noch dunkel und stehen Ihnen zu Berg wie eh und je. Ein Binkel Fitness simmer, Kolleg Terlaner, wos?“
Tuschls fette Rechte malt Häkchen auf ein Formular.
„Auf der ganzen Limöhböhstanndönn,",
entscheidet er.
„intöllöktuöll famos geeignet! Und jetzten zum Onkel Amtsarzt-Doktor nebenan. Hernach sehmer uns wieder, dakkor?"
Womit Tuschl um seinen Schreibtisch herumrollt und - eine Kugel Wohlwollen - Terlaner in ein Nebenzimmer bugsiert. Dort harrt der achtzigjährige Doktor der gesamten Heilkunde und Präsident der Astrologischen Gesellschaft Helmwart Geigenburger an einem weißbelakten Streckbett. Topfit, braun gebrannt und mit weißer Igelfrisur, näselt der Gestimsexeget:
„Servus, Terlaner."
Geigenburger war Terlaners Schularzt in Schülerzeiten. Ein alter Nazi der feinsten Contenance-Kategorie, der einem das teutonische Herrenmenschentum in eleganter Intonation einzuraunen suchte.
„Freimachen und herlegen, wenn ich bitten darf,"
näselt er,
„eine reine Formsache, lieber Terlaner. Du warst schon als Rotzjunge völlig verlottert, aber im Prinzip kerngesund, kräftig und gelenkig wie ein Windhund."
,Zu liebenswürdig",
bedankt sich Terlaner,
„ich weiß um Ihre Ideale, Herr Medizinakat: Schlank wie Göring; flink wie Göbbels und blond wie Hitler."
„Papperlapapp",
winkt Geigenburger ab,
„hinlegen und keine schwachen Witzchen, bitte!“
Terlaner schält sich aus seinen Klamotten und streckt sich auf dem Bett aus. Geigenburger betapst ihn mit dem Stethoskop, rammt ihm seine gepflegten Spreizfinger in den Unterbauch, appliziert danach das Blutdruckgerät an Terlaners linkem Handgelenk.
„Herzrhythmus normal, Blutdruck hundert zu sechzig, Puls achtundfünfzig. Fabelhaft. Körper wie ein Dreißigjähriger- keine Fettablagerungen. Sag, wie hast denn du dir die Frühpension ergaunert, du Tachinierer? Deine Pensionseinkünfte solltest du von rechts wegen an eine wohltätige Organisation abführen. Voll tauglich! Und jetzt: Ab durch die Mitte!" Als Terlaner - sein Hemd in die Hose stopfend - wieder Tuschl gegenübersteht, röhrt dieser:
„Gratulation, Terlanerl, ich hab's dem Geigerl ja schon an der Nasen ang'seh'n: Sie sind wieder einer von uns allen! Zu Ihnerer Freud darf ich Ihnen verkünden, dass Sie an Ihrer Altanstalt, der Europaanstalt Mayerlingplatz, eingesetzt werden. Juchee, gell? Da weiß man wenigstens, was auf einen zuschlittert, wos? Direktorin is jetzten die Gundula Waidmann. Wurscht. Alles für die Kontinuität. Leider is der Verein nach seiner Vollprivatisierung am Eingehen und jetzten muss Papa Staat den Schrott aufkaufen. Is nix verhackt! Sie melden sich am Montag um achte beim Gunderl. Und nochmals Glückwunsch, Kolleg Terlaner! Sie san ja doch einer unserer Unentbehrlichsten!"
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Ludwig Roman Fleischer: „Zurück zur Schule“, Seite 5 bis 8
Sisyphus und Ludwig Roman Fleischer, 2005
ISBN: 3-901960-33-3

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