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Werner Koroschitz

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2006-06-28

Empfehlenswert: GAME OVER

Am 22. Juni 2006 wurde im k & k in St. Johann im Rosental die Ausstellung "game over" eröffnet. Die Ausstellung beschäftigt sich mit industriegeschlichtlichen Aspekten sowohl der Feistritzer Akkumulatorenfabrik als auch der vor 100 Jahren eröffneten Karawankenbahn. Die Ausstellung ist bis 27. August 2006 geöffnet. Lesen Sie hier die Rede von Werner Koroschitz anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Dober dan, guten Tag
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebes k & k

zu allererst möchte ich mich beim k & k bedanken, dass sie mich zur Mitarbeit bei der Ausstellung „game over“ eingeladen haben. Die Zusammenarbeit mit euch war sehr spannend und ebenso interessant waren die Themen der Ausstellung, die sich vor allem auf zwei industriegeschichtliche Phänomene konzentrierten: nämlich die Geschichte des Eisenwerkes und der späteren Bären Batterie in Feistritz im Rosental sowie die Anfänge der Karawankenbahn. Beide repräsentierten Symbole der Industrialisierung, sie waren sichtbare Zeichen des Fortschritts.

Heute liegt das Fabriksgelände verlassen da und die Karawankenbahn ist zu einer bedeutungslosen Nebenbahn verkommen. Nach einer stürmischen Aufbruchsstimmung vor rund 100 Jahren trifft heute für beide Industriedenkmäler mehr oder weniger der Titel der Ausstellung „game over“ zu. Der Schriftzug „game over“, den wir in einer Halle der Bären Batterie entdeckt haben, ist nicht nur ironischer Ausdruck der Arbeiter, die mit der Schließung des Werkes ihren Arbeitsplatz verloren haben, „game over“ steht insbesondere für das Ende des klassischen Industriezeitalters, wo rauchende Schlote Wohlstand und wirtschaftliche Prosperität verhießen. Die Ausstellung berichtet über Arbeitsbedingungen und Lebensumstände der Arbeiterschaft, sei es über jene von tausenden Bahnarbeitern oder hunderten Fabriksarbeitern. Zum Thema Arbeit in der Fabrik hat sich Robert Schabus auf eine filmische Spurensuche begeben und sie sind herzlich eingeladen sich das Ergebnis seines beeindruckenden Films „game over“ anzusehen. Gerhard Maurer wiederum hat sich in einer faszinierenden Fotoarbeit mit dem Fabriksgelände, wie es sich heute dem Besucher präsentiert, auseinandergesetzt. Seine Arbeit „Stillgelegt“ ist im Erdgeschoss sowie im Stiegenaufgang zum ersten Stock zu besichtigen. Im Zuge des Projektes „game over“ wird zudem die Plakatserie Unser Zug / Naš vlak von Gerhard Pilgram zu sehen sein, wobei sie sich auch in einen eigens gestalteten Zugbegleiter vertiefen können.

Neben den Arbeitsbedingungen beleuchtet die Ausstellung auch den Werdegang der Feistritzer Fabrik. „Game over“ hieß es auch schon 1933, als die Krainische Industriegesellschaft das in ihrem Besitz befindliche Feistritzer Drahtseilwerk stilllegte. Ausgerechnet oder bezeichnenderweise unter den Nationalsozialisten erlebte das Werk einen erneuten Aufschwung. Der Deutsche Leopold Jungfer hatte die leerstehenden Fabriksanlagen erworben und produzierte in Folge für die deutsche Wehrmacht alle möglichen Sorten von Batterien. Der Rüstungsbetrieb in Feistritz florierte, Leopold Jungfer schöpfte beträchtliche Gewinne ab, während die Produktion nur durch den Einsatz von an die100 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aufrechterhalten werden konnte. Dazu präsentiert uns Tamara Pinter ein ganz besonderes Zeitdokument: den Film „Ivan und Slovenko“ der die gemeinsame Geschichte des Partisanen Franc Konobelj aus Jesenice und Ivan Ivaščenko aus der Ukraine zum Inhalt hat. In einer antifaschistischen Widerstandsaktion im Mai 1943 setzte eine Partisaneneinheit nicht nur den Rüstungsbetrieb in Feistritz für einige Zeit außer Betrieb, sie befreiten auch die im Werk beschäftigten Zwangsarbeiter. Dabei lernten sich der Partisan Konobelj und der Zwangsarbeiter Ivaščenko kennen. Ihre Freundschaft ist bis heute aufrecht geblieben. Herrn Ivaščenko war es aufgrund gesundheitlicher Probleme leider nicht möglich heute anwesend zu sein, dafür möchte ich recht herzlich Herrn Konobelj aus Jesenice hier in unserer Mitte begrüßen.

Die Ausstellung thematisiert auch die Funktion des ehemaligen Eisenwerkes als willkommenes Germanisierungsinstrument, indem die Führungsschicht des Unternehmens hauptsächlich deutschnational orientiert war. Nicht zufällig wurde die Feistritzer Fabrik als Deutsches Bollwerk inmitten des slowenischen Rosentals bezeichnet. Ebenso begrüßten die nationalen Eiferer den Bau der Karawankenbahn als Instrument der deutschvölkischen Erneuerung. Studiert man die Landtagsprotokolle oder die Zeitungsmeldungen von damals, so ist dabei nichts von der oft zitierten Urangst des Kärntners zu spüren. Im Gegenteil: in aggressiver Weise bedienten sich die Politiker von damals desselben Jargons, der heute jene Rechtspopulisten und ordentlichen Beschäftigungspolitiker auszeichnet, die der slowenischen Bevölkerung Kärntens um jeden Preis ihre Rechte vorenthalten wollen. So ereiferten sich die Deutschnationalen unmittelbar nach der Eröffnung der Karawankenbahn im Jahre 1906 über zweisprachige Stationsaufschriften oder zweisprachige Fahrkarten. Ebenso wie heute, warnten die selbsternannten Heimatschützer von damals, vor einer Slowenisierung Kärntens. Die Empörung deutschnationaler Kreise wurde z. B. auch durch die Aufschrifttafeln des internationalen Schnellzuges von Berlin nach Triest hervorgerufen, wo die Stadt Klagenfurt vor 100 Jahren mit ihrem slowenischen Namen Celovec angeführt war.

Eine Notiz in der Kärntner Krone vom Dezember 2005 lautete: „Ryanair slowenisiert jetzt Kärnten“. Der Grund der Schlagzeile vor einem Jahr war, dass in einer Werbeaussendung der Fluglinie die Flüge nicht mit Klagenfurt-London, sondern mit Celovec-London angegeben waren. Leider hat sich in dieser Beziehung seit über 100 Jahren kaum etwas geändert. Ein „game over“ für antislowenische Ressentiments in Kärnten wäre höchst an der Zeit. Auch die Sektion Klagenfurt des Alpenvereins hat das ihre zur Stärkung des Deutschtums im Rosental beigetragen. Die Sektion sah sich lange Zeit als Deutsche Wacht in den Karawanken, die sich nicht nur gegen slowenische Bergfreunde wandte sondern auch gegen Juden, denen bereits in den frühen 20er Jahren der Zutritt in die Alpenvereinshütten untersagt blieb. Wie sie sehen, zeichnet sich die Ausstellung durch eine Themenvielfalt aus, die entgegen anderslautender Stimmen, wie z. B. jenen aus dem Kulturamt der Kärntner Landesregierung, keineswegs bereits aufgearbeitet sind. Und wenn man heute durchs Rosental fährt und sich die befremdlichen Abstimmungsplakate zur, beinahe bin ich geneigt zu sagen, zur Endlösung der Ortstafelfrage ansieht, so ist die Ausstellung „game over“ auch in dieser unseligen Causa hochaktuell. Zur Vertiefung kann ich ihnen nur die Lektüre des preisgünstigen Ausstellungskataloges empfehlen.

Hvala, danke

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