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Hans Haider

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2005-02-02

Das Denkmal der Namen

"Jede Gesellschaft wird nicht nur
durch ihre Einstellung auf die Zukunft hin,
sondern auch gegenüber der Vergangenheit bestimmt:
ihre Erinnerungen sind nicht weniger aufschlußreich
als ihre Vorhaben"
Octavio Paz

Denkmäler als öffentliche Erinnerungszeichen lassen zwei Deutungen zu. Einerseits geben sie Auskunft über die Vergangenheit einer Stadt, andererseits erzählen sie uns auch, welche Einstellung die Bürger und Bürgerinnen einer Stadt zu dieser Vergangenheit haben, auf welchen historischen Bezugspunkten ihre Identität beruht und welches Bild von der Vergangenheit sie an die nachkommenden Generationen weitergeben wollen. Während für die Gefallenen, die Vermißten und die Bombenopfer zahlreiche Denkmäler und Gedenktafeln in Villach vorhanden sind und alljährlich Gedenkfeiern von den Kameradschaftsbünden abgehalten werden, gibt es für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt bisher keine ausreichende Form des Gedenkens. Seit einigen Jahren erforscht der Verein „ERINNERN“ die Geschichte der Opfer und ist dabei, sie zu dokumentieren. Für die Mehrzahl dieser Opfer gibt es kein Grab und keinen Gedenkstein. Es ist daher an der Zeit, daß Villach und seine Bevölkerung ein Zeichen für die Möglichkeit des öffentlichen Gedenkens setzen.

Wir sind überzeugt, daß ein Denkmal der Namen dazu eine geeignete Form ist. Der Beginn der Entmenschlichung der Häftlinge bestand in der Eingravierung von Nummern in den Unterarm. Nummern statt Namen war der erste Schritt zur Auslöschung ihrer Identität. Der Nationalsozialismus hat die Opfer in Nummern und Objekte verwandelt, bevor er sie vernichtete. Wenn wir heute auf diesem Denkmal Namen statt anonymer Gedenkformeln verwenden, dann ist dies ein Schritt zur Wiederherstellung von menschlicher Würde und Identität.

Das Denkmal wurde vom Künstler Prof. Heinz Aichernig unter spezieller Berücksichtigung der räumlichen Situation entworfen. Als idealen Ort hat uns die Stadt die Mauer in der Widmanngasse gegenüber dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt. Da es sich um einen zentralen Punkt in der Innenstadt handelt, wird das Denkmal die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Das Denkmal besteht aus einem schmalen zentralen Teil und zwei Seitenflügeln und bildet eine stilisierte Kreuzform. Der zentrale Teil ist eine Edelstahlkonstruktion, geteilt durch die Schriftzüge „ERINNERN“ und „AN DIE OPFER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALT“. Die Konstruktion ist von innen beleuchtet, sodaß im austretenden Licht die Schriftzüge sichtbar werden. Auf durchsichtigen Glastafeln sind die Namen der Opfer mit Geburtsjahr und Sterbejahr eingeätzt. Die ebenfalls eingeätzten Hinweise „KZ-Auschwitz, hingerichtet, Euthanasie, deportiert“ erlauben eine eindeutige Zuordnung. Die dahinterliegende Mauer bleibt sichtbar. Zusammen mit dem Stahlgerüst ergeben die Glastafeln ein Gitterraster, sodaß Mauer und Gitter („ hinter Gittern, an die Wand stellen“), wie vom Künstler beabsichtigt, symbolhaft hervortreten. In seiner Nüchternheit und Klarheit hebt sich dieses Denkmal deutlich von der heute nicht mehr als zeitgemäß empfundenen, pathetischen Denkmalkultur früherer Jahrzehnte ab. Es ist als offenes Denkmal konzipiert, das heißt, es ist vorgesehen, weitere Tafeln einzufügen, wenn neuere Forschungen neue Namen zutage fördern. Das Denkmal wurde im September 1999 mit 64 Namen enthüllt Zur Zeit befinden sich 116 Namen auf dem Denkmal.

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