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2004-12-13

Dobrač oder Villacher Alpe II

Dobrač oder Villacher Alpe I

Bericht im "Arbeiterwille" vom 23. 9. 1922 über das von der Sektion Villach des DÖAV erlassenene "Judenverbot":

Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte: ,Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!‘ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenvereines an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, dass der Pachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Momente erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet.

Der sozialdemokratische Touristenverein „Die Naturfreunde“ wandte sich entschieden gegen den von bürgerlichen Alpenvereinen vertretenen Antisemitismus. In seiner Ausgabe vom 23. 9. 1922 berichtete der Arbeiterwille ausführlich über das von der Sektion Villach des DÖAV erlassene „Judenverbot“ (siehe grauer Kasten links). An selber Stelle beklagte sich die sozialdemokratische Zeitung auch über die Schikanen, denen die Arbeiter-Wanderer seitens des Alpenvereins zunehmend ausgesetzt waren. Die Gründung der „Naturfreunde“ im Jahre 1895 (1903 bildete sich die Ortsgruppe Villach der Naturfreunde) wurde vom DÖAV anfangs noch mit Wohlwollen aufgenommen. Doch bereits 1907 kündigte dieser das Recht auf Gegenseitigkeit, d. h. den Mitgliedern der Naturfreunde wurden auf den Alpenvereinshütten keine ermäßigten Preise für Nächtigung und Kost mehr gewährt.

Die Sozialreformen der Ersten Republik, darunter die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages und ein gesetzlich verankerter Urlaubsanspruch, erlaubten es den Arbeitern vermehrt die Freizeitangebote der sozialdemokratischen Vereine zu nützen. Immer mehr Arbeiter suchten in ihrer kargen freien Zeit Erholung in den Bergen. Die Radikalisierung der politischen Gegensätze im Verlauf der 20er Jahre fand ihren aggressiven Ausdruck gerade innerhalb der alpinen Vereine: „Jedenfalls wird dieses blödsinnige Verbot zur Folge haben, dass das Schutzhaus auf dem Dobratsch von den meisten Leuten, die den Dobratsch aufsuchen, gemieden wird. Es ist bezeichnend, dass eine ganze Organisation einigen närrischen Schandkerlen auf den Leim geht und einen solchen Beschluss fasst. Das kann nur eine Organisation tun, die entweder von Kindern, von Trotteln oder von gewissenlosen Lumpen geleitet wird.“ (Arbeiterwille, Sept. 1922)

1929 gelang es den Villacher Naturfreunden, die Knappenhütte auf dem Dobratsch von der Knappschaft Bleiberg-Kreuth pachtweise zu erwerben. Damit ging der lang gehegte Wunsch auf eine eigene Hütte in Erfüllung, denn „schon lange vermisste es die Arbeiterschaft Kärntens, auf dem Dobratsch eine Unterkunftsstätte zu haben. Wohl hat der Deutsche und Österreichische Alpenverein auch dort seine Hütte, aber seitdem von diesem Verein politische Gehässigkeiten in die Bergwelt getragen wurden und die Arbeitertouristen jeglicher Rücksichten beraubt sind, hat die Villacher Arbeiterschaft mit bewunderswerter Initiative den Gedanken, eine Naturfreunde-Hütte auf dem Dobratsch zu errichten, gepflegt.“

Die „Naturfreunde“ traten stets vehement gegen das private Verfügungsrecht der Natur auf. Gemäß ihrem gemeinsamen Gruß „Berg frei“ führten sie ihren Kampf vor allem gegen die Jagd- und Grundbesitzer, um ein freies Betretungsrecht von Wäldern und Berge durchzusetzen. Anfang der 30er Jahre forderten die Villacher Naturfreunde die Gutsverwaltung Wasserleonburg auf, die privaten Jägersteige durch die Brunnleiten und das Bärental auf den Dobratsch für den Touristenverkehr freizugeben. Der ergangene Bescheid der Kärntner Landesregierung erachtete es als unnötig, „durch ein so erschlossenes Berggebiet, wie der Dobratsch es sei, neue Steige zu eröffnen, welche durch zu schonende Jagdgebiete führen und nur dazu beitragen würden, das im Berglande anzustrebende gute Einvernehmen zwischen Jagd und den Bergwanderern bzw. den alpinen Vereinen empfindlich zu stören“. 1924 kaufte die „Akademische Gruppe Wien der Naturfreunde“ in Heiligengeist ein Haus. Anlässlich der Einweihung des Naturfreundehauses hielt der sozialdemokratische Nationalrat Ellenbogen die Eröffnungsrede:

„Die durch den Weltkrieg hervorgerufenen Instinkte des Hasses wüten fort, die Menschen bekämpfen sich statt mit Kanonen mit dem Gift des Völkerhasses, des nationalen Hasses und tausend anderen Waffen, die aus der Verkrüppelung des normalen Denkens entstanden sind. Selbst in den freien Bergen machen sich diese verbohrten, kindischen und engstirnigen Instinkte des Hasses bemerkbar. Die arbeitenden Menschen drängt es hinaus in die wilden Berge, sie wollen ihre in den Fabriken krank gewordenen Lungen in der Bergluft reinwaschen und ihre Sehnsucht nach Schönheit stillen. Und da stellt sich uns das Gehaben gewisser Alpenvereine entgegen, das uns die Wege verleidet, den Zugang zu den Hütten unmöglich machen will, weil es bornierten, in ihren Hirnen invalid gewordenen Menschen beliebt, diese Methoden in die Berge zu tragen.“ (Naturfreund, 1924) Die Bewohner des Ortes fürchteten durch die Präsenz der „Naturfreunde“ den Verfall von Anstand und Ordnung. Den Bericht der Schulchronik darüber befindet sich im grauen Kasten links.

Bericht aus der Heiligengeister Schulchronik aus dem Jahr 1924:

Die hiesige Erian Villa "Alpenheim" wurde im Frühjahr 1924 vom Besitzer an die akademische Sektion der Naturfreunde um angebliche 60 Millionen Papierkronen verkauft. Diese bewohnten bereits im Sommer 1924 das Gebäude. Hiesige Bevölkerung steht dem Unternehmen ziemlich feindlich gegenüber, erstens weil unter den Erholungssuchenden die meisten oder alle Juden seien, was zum Teil richtig sein dürfte, und zweitens weil alle männlichen wie weiblichen Geschlechtes schamlos nackt neben dem Wege sich zeigen. Letztere Behauptung ist aber völlig übertrieben. Gefertigter hat nur Männer gesehen Luftbäder nehmen und die Neugierde besonders des weiblichen Teils der Bewohner brachte es dahin,. dass mit Ferngläsern das Tun und Lassen der genannten Hausinsassen kontrolliert wurde.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland propagierten die Rassenideologen des Regimes den „völkischen und heroischen Alpinismus“ im „deutschen Geiste“. Die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) veranstaltete unzählige, preiswerte Urlaubsreisen und Betriebsausflüge in Kärntens Gebirgstäler. Eigentliche Aufgabe der KdF-Organisation war es, das Freizeitverhalten der Bevölkerung weitestgehend zu kontrollieren und zu beeinflussen – mit dem offiziellen Ziel die deutsche Volksgemeinschaft zu stärken.

Die Nationalsozialisten postulierten das Ideal der „reinrassigen Landschaft“ und im Interesse der allgemeinen Wehrertüchtigung des deutschen Volkes förderten sie in besonderem Maße sportliche Aktivitäten. Im November 1938 feierten die Repräsentanten der Nazidiktatur das Richtfest der Winterkampfbahn in Möltschach am Fuße des Dobratsch. Im Jahr darauf wurden auf der „besten und schönsten Winterkampfbahn des Großdeutschen Reiches“ die NS-Winterkampfspiele durchgeführt, die nach Ansicht der Nazis „untrennbar zur großen Heerschau der Bewegung und damit zum großen Werk der deutschen Wehrerziehung und Wehrhaftigkeit beitrugen“. (Kärntner Grenzruf, Februar 1939)

Die Folgen der „deutschen Wehrerziehung“ sollten sich auf drastische Weise sehr bald auch für die Villacher Bevölkerung einstellen. Nur wenige Jahre später mussten im Zeichen des bislang größten Vernichtungskrieges zahlreiche Familien vor den alliierten Bombenangriffen aufs umliegende Land flüchten. Es herrschte großer Mangel nicht nur bei den nötigsten Lebensmitteln, Kleidung, Brennmaterial und Dingen des täglichen Bedarfs, sondern gerade bei Rohstoffen zu weiteren Kriegszwecken. Daher wurden Metallsammlungen in Schulen angeordnet und selbst die Kirchenglocken blieben vor dem Zugriff der Rüstungsindustrie nicht verschont – so auch die Glocke der Deutschen Kirche auf dem Dobratsch.

Schon zuvor wurde aufgrund des erhöhten Metallbedarfs einer auf den totalen Krieg ausgerichteten Diktatur der Bleiberger Bergbau nach Einmarsch der deutschen Truppen sofort dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt. „Die Eingliederung des Bergbaues und des Hüttenbetriebes der BBU in den deutschen Wirtschaftskreislauf“ ging laut BBU-Chronik (1938) „glatt und ohne Schwierigkeiten vor sich ging.“ Viele Bergarbeiter rückten in die deutsche Wehrmacht ein und 1942 wurden der BBU erstmals Zwangsarbeiter zugewiesen. Über das Kriegsjahr 1943 berichtete die Chronik, dass „die als Ersatz zugewiesenen, fast durchwegs berufsfremden und oft arbeitsunwilligen Fremdarbeiter erheblich unter der Normalleistung blieben.“. Gegen Kriegsende wurde die mangelnde Arbeitsbereitschaft der Zwangsarbeiter beklagt: „Mit dem Fortschreiten des Krieges wurden alle unabkömmlich gestellten Personen überprüft und nach Ausrufung des totalen Krieges einberufen. Aber auch unter den Fremdarbeitern begann es zu gären und gegen den Herbst kam es immer öfter vor, dass Ostarbeiter, aber auch Italiener über die nahe Grenze flüchteten und sich den Partisanen anschlossen. Nun mussten die eigenen Leute auch noch die Fremdarbeiter bewachen. Die wirksamste Waffe, um die Disziplin zu erhalten, war der Entzug der Zusatzkarte.“

In den letzten Kriegstagen, im April 1945, kam es in der nahe Arnoldstein gelegenen Schütt am Südabhang des Dobratsch zu einem Gefecht zwischen bewaffneten Verbänden der Nationalsozialisten und Regimegegnern, die sich dort verborgen hielten. Bei dem Kampf wurden drei „Schütt-Partisanen“ aus Arnoldstein ermordet und mehrere verhaftet. (Max Muchitsch, Die rote Stafette)

Damit endete vorläufig eine unheilvolle Periode alpiner Geschichte, in der mit der Eroberung der Bergwelt auch deren politische, nationalistische Vereinnahmung einherging.

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