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Ludwig Laher

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2004-10-27

Rede anlässlich der Wiedereröffnung des Denkmals der Namen

Weitere Texte und eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung sowie der, ihr vorangegangenen Ereignisse finden Sie unter

Wiedereröffnung des Denkmals der Namen.

Meine Damen und Herren,

wenn Sie auf der Landkarte mit dem Lineal zwischen Villach und Salzburg eine gerade Linie ziehen und diese noch etwas verlängern, kommen Sie in die südwestliche Ecke des oberösterreichischen Innviertels, wo ich seit elf Jahren lebe. Ältere Damen haben mich in den späten 90er Jahren darauf aufmerksam gemacht, daß sich in meinem Dorf St. Pantaleon während der NS-Zeit furchtbare Dinge abgespielt haben. Meine Recherchen haben in zwölf österreichischen Archiven dann tausende Aktenseiten über zwei Gaulager des Reichsgaus Oberdonau zutage gefördert, die als Parallelinfrastruktur des Terrors zu den NS-Nebenlagern gedacht waren und statt unter SS- unter SA- bzw. Gendarmeriekommando standen.

Eines der beiden, das – wenn man eine solche Unterscheidung überhaupt machen kann – weniger brutale, war die letzte Durchgangsstation der autochthonen oberösterreichischen Sintiminderheit auf dem Weg in die Vernichtung im Ghetto von Lodz oder in den Gasautobussen von Chelmno. Oberdonau, der Heimatgau des Führers, hat es insgesamt auf mustergültige 36 NS-Lager gebracht, und auch der Genozid an der seit dem 15. Jahrhundert belegten Zigeunerminderheit wurde dort mit einer Gründlichkeit besorgt, wie das nirgends sonst in Österreich belegt ist.

Wenn man als Welser Sinto zufällig gerade in Kärnten auf der Reise war, als 1939 Himmlers Festsetzungserlaß die Sinti dazu zwang, den Kreis, also den Bezirk, in dem sie sich gerade aufhielten, nicht mehr zu verlassen, konnte man – mit großem Glück freilich – Lackenbach, Auschwitz, Ravensbrück etc. überleben. Wenn man sich aber als Villacher Sinto gerade zufällig in Oberösterreich, also in Oberdonau aufhielt, gab es unter Garantie kein Entrinnen mehr.

Zwischen den Kärntner und den oberösterreichischen Sinti gab es stets engen Kontakt und verwandtschaftliche Bande. Noch gibt es eine alte Dame in Enns – sie hat übrigens in diesen Wochen gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin ihre Lebenserinnerungen veröffentlicht - , die vor dem Krieg oft in Villach zu Gast war und nicht müde wird zu betonen, daß die besten Sintimusiker Österreichs aus Villach kamen. 1939 waren viele Kärntner Sinti in Oberösterreich und bildeten somit ab Jänner 1941 im Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer die zweitgrößte Gruppe Internierter.

Die Männer wurden als Zwangsarbeiter bei der Entsumpfung des Ibmer Moores eingesetzt, einem wahnhaften Prestigeprojekt der Nazis, das 250 neue Großbauernhöfe schaffen sollte. Die Frauen und Kinder saßen tagein tagaus im Lager, wo es nichts zu tun gab außer Putz- und Näharbeiten etc.. Überlebende des etwas kleineren Zigeuneranhaltelagers Salzburg-Maxglan berichten von Übergriffen wie Schlägen oder Essensentzug, nicht aber von vorsätzlichen Tötungsdelikten, im Lager St. Pantaleon-Weyer, aus dem praktisch niemand überlebt hat, dürfte es ähnlich gewesen sein. In beiden Lagern starben Frauen und Kinder, die angegebenen Todesursachen korrespondieren nicht immer mit den ärztlichen Aufzeichnungen. Von den Kärntner Sinti starb „nur“ eine Frau in Weyer, Maria Müller aus Höhenbergen-Tainach, und zwar am 17. Mai 1941. Ihr Name findet sich auf einer Tafel der Opfer an der Erinnerungsstätte in St. Pantaleon. Ihre formelle Todesursache „Herzfleischentartung“ hat meinem auf den authentischen Ereignissen rund um die Lager in St. Pantaleon beruhenden Roman seinen Titel gegeben.

Mehrere Menschen, die sich dagegen hier auf dem Denkmal der Namen eingetragen finden, darunter Anna Blach, Florian, Kornelia und Anna Taubmann wurden Anfang November 1941 aus St. Pantaleon über Lackenbach nach Lodz ins neueröffnete Zigeunerghetto überstellt. In „Herzfleischentartung“ zeichne ich ihr weiteres Schicksal detailliert nach, allerdings ist es nicht individuell überliefert. Gleich in der ersten Woche sterben an Entkräftung, Kälte und Hunger 213 Sinti und Roma, dann bricht Flecktyphus aus, die Todesrate im Zigeunerghetto übersteigt – relativ betrachtet – jene im benachbarten Judenghetto um 100 Prozent. Wer weiß heute, daß zum Großteil ÖsterreicherInnen im Zigeunerghetto Litzmannstadt, wie Lodz unter den Nazis hieß, interniert waren, und zwar nach der zynisch-präzisen Logik der Nazis exakt 5000, von denen allerdings ein paar den Transport aus Österreich schon nicht lebend überstanden? Wer weiß heute, daß jene unter ihnen, die zwei Monate später Ende Dezember noch nicht tot waren, die ersten Versuchskaninchen für die Gasautobusse in Chelmno, damals Kulmhof, waren, die den Gaskammern vorausgingen? Tausende österreichische Sinti und Roma, darunter relativ viele VillacherInnen, wurden auf diese bestialische Weise ermordet, bevor noch die ersten Juden ins Gas gingen. Am 12. Jänner 1942 war dieses Auftaktkapitel des Genozids abgeschlossen, alle 5000 Zigeuner waren tot, alle sind sie offiziell an Herzschwäche verstorben.

Mein Roman „Herzfleischentartung“ bricht aber damit nicht ab, denn tot sind die Opfer im umfassenden Sinn erst dann, wenn die Täter ihr letztes Ziel erreicht haben, nämlich die Erinnerung zu zerstören und die Opfer somit aus der Geschichte zu elimineren. Mein Text bricht auch 1945 nicht ab, denn die sogenannte Stunde Null ist keineswegs jene Zäsur, die radikal mit der rassistischen Barbarei bricht. Die Roma und Sinti sind dafür wohl das beste Beispiel. Während der Antisemitismus nach 1945 wenigstens offiziell geächtet war und es sich stattdessen an den Stammtischen gemütlich eingerichtet hat, ist der Antiziganismus des neuerstandenen Österreich jahrzehntelang von jenem des Dritten Reiches im wesentlichen nur dadurch unterscheidbar, daß die aktive Vernichtung der Sinti und Roma nicht ins Auge gefaßt werden kann. Ich formuliere hier bewußt scharf und könnte unzählige Beispiele auflisten, von denen ich eine ganze Reihe in mein Buch aufgenommen habe. Im Telegrammstil:

  • Lange blieb offiziell bestritten, daß die Sinti und Roma überhaupt den NS-Opferstatus verdienen.
  • ÖsterreicherInnen, denen die Nazis aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit die Staatsbürgerschaft entzogen, wurde diese in den meisten Fällen nach 1945 nicht zurückgegeben.
  • Schon im September 1948 heißt es in einem Rundschreiben des Generaldirektors für die öffentliche Sicherheit an alle Polizeidienststellen, daß sich das Zigeunerunwesen in einigen Gegenden bereits wieder unangenehm bemerkbar mache. „Um auf die Bevölkerung Eindruck zu machen, sollen sich die Zigeuner oftmals als KZ-ler ausgeben. Soweit die Voraussetzungen nach der Ausländerpolizeiverordnung gegeben erscheinen und die Möglichkeit einer Ausserlandesschaffung besteht, wäre gegen lästige Zigeuner mit der Erlassung eines Aufenthaltsverbots vorzugehen und ihre Ausserlandesschaffung durchzuführen.“ Auch die Transporte nach Lodz waren solch eine Entsorgung, diesmal werden auch staatenlose ÖsterreicherInnen rücksichtslos deportiert. Illegal überqueren sie wieder die Grenze und bleiben, was sie waren, gehetztes Freiwild.

Rosa Winter, deren Lebenserinnerungen Kernstück des eben erschienenen Buches „Uns hat es nicht geben sollen. Drei Generationen Sinti-Frauen erzählen“ sind, wurde 1923 in Königswiesen im Mühlviertel geboren und kehrte schwer gezeichnet zu Fuß und das letzte Stück mit einem Fuhrwerk aus Ravensbrück zurück. Sie erzählt, daß sie sich, aus der Tschechoslowakei kommend, beim Überqueren der österreichischen Grenze hingekniet und den Boden geküßt hat. Österreich hat sich dann bis 1991 Zeit gelassen, sie wieder als Staatsbürgerin zu akzeptieren.

Ich kehre zurück zu den Ungeheuerlichkeiten der ersten Nachkriegsjahre:

  • Die Auskünfte der Behörden sind, was die Sinti und Roma anlangt, zwischen 1945 und 1955 in unglaublichem Ausmaß lückenhaft, nicht selten falsch, und zwar immer in einem Sinne, der zu Lasten von Opferansprüchen geht. Bei den NS-Volksgerichtsprozessen spielen Sinti und Roma, etwa das Lager St. Pantaleon-Weyer, kaum eine Rolle.
  • Zu den schlimmsten Rechtsbeugungen gehört, was ich im für St. Pantaleon-Weyer zuständigen Bezirksgericht Wildshut recherchieren konnte: Dort wurden minderjährige Kinder der internierten Sinti formell Vormündern aus dem Kreis Braunau unterstellt, weil die Sinti meist nur kirchlich verheiratet waren und ihre Kinder daher als ledig galten. Diese Mündelakten brechen 1941 mit der Deportation nach Lodz ab. Es blieb Richtern der Zweiten Republik vorbehalten, diese Akten in den 50er Jahren mit dem Vermerk „großjährig“ abzuschließen und die ermordeten Kinder solcherart formell weiterleben zu lassen.

Es ist dies wohl der perfideste Trick oder, wenn ich es gutwillig interpretiere, die zynischeste Gedankenlosigkeit, Erinnerung zu tilgen. Die Toten sind gar nicht tot, heißt die Botschaft, nichts ist geschehen. Und vermittelt wird diese Botschaft durch Organe der Republik.

Meine Damen und Herren,

mir fällt heute die Ehre zu, die Wiedereröffnung dieses bereits zweimal geschändeten Denkmals mit meinen Überlegungen zu begleiten. Ich mache das mit großer Freude, weil sich in dieser Stadt engagierte BürgerInnen beispielhaft für eine differenzierte Erinnerungskultur engagieren.

Im letzten Semester habe ich an der Klagenfurter Universität zu diesem Thema ein Seminar abgehalten, bei dem ich unter anderem versucht habe, zunächst abseits ideologischer Gesichtspunkte zu vermitteln, warum es so unterschiedliche Zugänge zum Erinnern bzw. zum Erinnernwollen gibt.

Dazu habe ich ein Beispiel gewählt, das sich auf meine vielen Einladungen an unterschiedliche Schulen bezieht, das Buch „Herzfleischentartung“ vorzustellen. Ich habe am Beginn der Lesungen und Diskussionen dabei immer wieder die Frage gestellt, wer von den jungen Leuten sich an etwas erinnern könne, das vor dem Schulbeginn, also vor dem 6. Lebensjahr geschehen ist. Nach einer Schrecksekunde kamen dann die ersten Geschichten, und fast alle drehten sich um ein Ereignis, bei dem das erzählende Kind Leiderfahrungen machte, sei es durch den Tod lieber Menschen wie der Großeltern oder eines Haustieres, sei es durch einen Unfall oder dergleichen. Viel seltener handelte es sich um ein positives Ereignis, also zum Beispiel um ein unerwartetes tolles Geschenk zu Weihnachten. Nie übrigens berichtete jemand von einem Ereignis, bei dem er oder sie jemand anderem Leid zufügte, oder von einem, das einem aus anderen Gründen peinlich sein müßte.

Was heißt das nun für die Kultur des Erinnerns auf der Ebene der gesellschaftlichen Verhältnisse? Erstens einmal, man erinnert sich öffentlich zuvorderst an historische Ereignisse, bei denen „uns“ etwas angetan wurde, also etwa an die gefallenen Soldaten in den Weltkriegen, die dem Feind zum Opfer fielen, oder etwa an Lawinentote. Seltener schon werden große, allgemein als positiv bewertete Ereignisse öffentlich erinnert, außer es läßt sich kommerziell Profit daraus schlagen wie aus dem bevorstehenden 250. Geburtstag Mozarts. Äußerst ungern erinnern wir vor Publikum dagegen unsere eigenen Sünden, sei es, wenn wir als Individuum mit fünf ein anderes Kind beim Raufen absichtlich verletzten oder als Kollektiv die Perversionen der Rassenwahns zu verantworten haben.

In den Schulen habe ich dann immer in altersgemäßer Sprache darauf aufmerksam gemacht, daß diese Grundmuster am besten dadurch durchbrochen werden, daß man die Frage nach den Schuldigen von der moralischen auf die Faktenebene verlagert. Im Klartext: Statt der Anklage steht die Auseinandersetzung mit den Ursachen, mit den Strukturen von Exzessen im Mittelpunkt. Im Jahr 2004 kann es, bezogen auf die Ereignisse der NS-Zeit, auch gar nicht mehr darum gehen, Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ja, Erinnerungsarbeit in der Schule darf durchaus, verzeihen Sie das Wort, Spaß machen, das heißt: unterhaltend sein, der junge Mensch soll in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge zu entdecken, am besten, indem man ihn zunächst nicht mit Leichenbergen von tausenden KZ-Opfern emotionell überfordert, sondern ihm die Möglichkeit gibt, in der eigenen Umgebung, im Dorf St. Pantaleon oder in der Stadt Villach, Nachschau zu halten, an die Namen dieses Denkmals anzuknüpfen und über die Geschichte konkreter Menschen die Geschichte einer Epoche zu erforschen, über das Leid, das der dreijährigen Kornelia Taubmann aus Villach in St. Pantaleon und dann in Lodz zugefügt wurde, das kollektive Leid auszuloten, das der Volksgruppe der Sinti angetan wurde, unter den Nazis und weit darüber hinaus.

Aus diesem Grund gebührt den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins „Erinnern“ aller Dank, die hier in Villach dieses Denkmal in dieser Form als Erinnerungsschrift von Namen, hinter denen Geschichten stehen, möglich gemacht haben. In Zeiten der Vernetzung ist es damit auch ohne Schwierigkeiten möglich, auf kurzem Weg über die Homepage des Vereins hier zum Beispiel jene des Vereins Erinnerungsstätte Lager Weyer/Innviertel zu finden und sein Wissen zu vertiefen, Aha-Erlebnisse zu haben und sich ein Stück weiter zu hanteln, vielleicht zu Webseiten über das Lodzer Ghetto.

Die Zerstörungen solcher Anlagen, wie das in Kärnten jüngst wieder häufiger passiert, sind vielleicht in manchen Fällen Vandalenakte, häufiger wohl bewußte oder halbbewußte politische Demonstrationen. Diese machen traurig und nachdenklich, aber sie dürfen nicht mutlos machen. Bis auf einen kleinen harten Kern sind die meisten jungen Leute, die ihre rechten Sprüche absondern, manchmal schlägern oder Anlagen wie diese beschädigen, Menschen, die ihre Selbstwertdefizite, ihr Alleingelassensein in einer entsolidarisierten Gesellschaft kompensieren, indem sie Freunde finden, wo Haß gepredigt wird. Wenn man sie nur ausgrenzt, statt ihnen glaubhaft Alternativen zu vermitteln, bestätigt man sie in ihren fehlgeleiteten Selbstbestätigungsstrategien.

Mindestens so gefährlich sind die Zündler in den je wohletablierten gesellschaftlichen Zusammenschlüssen, seien es Vereine, Interessenverbände oder Parteien, die durch ihre holzschnittartigen Vereinfachungen, durch zünftige Sager oder durch wohlwollende Duldung inhumaner Positionierungen die Konturen verschwimmen lassen und zum Beispiel rotzige antisemitische Bekenntnisse mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit billigend in Kauf nehmen. Ihnen, ganz gleich welche Funktion sie ausüben, die Stirn zu bieten, indem man entschieden widerspricht, wenn für die schrecklichen Folgen des globalen Neoliberalismus wieder einmal die Juden als Sündenböcke auserkoren werden, die Ausländer oder die Asylanten, das ist das Gebot der Stunde. Die beste Impfung dagegen ist Wissen. Und Wissen speist sich aus dem Begreifen von Zusammenhängen, also auch und vor allem aus einer nutzbar gemachten Vergangenheit.

Wenn also ein Buch wie mein Roman „Herzfleischentartung“ seit 2001 mehrere Auflagen erlebt, in andere Sprachen übersetzt wird und mit der Taschenbuchausgabe im kommenden Frühjahr weitere Leserschichten erschließt, dann ist das ein Mosaiksteinchen fruchtbarer Erinnerungskultur über die scheinbar uninteressante Provinz, in der die große Welt jedoch ihre Probe hält. Wenn rund um Erinnerungsstätten wie diese hier, jene in der Euthanasieanstalt Hartheim usw. durch Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden, mit Schulen, mit der Erwachsenenbildung, mit kirchlichen, gewerkschaftlichen und anderen Gruppen Prozesse in Gang gesetzt werden, die Lust auf Erkenntnis machen, dann wäre viel erreicht. Die Schrecken des Nationalsozialismus lassen sich eben nicht an besonders einschlägige Plätze auslagern, das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg etwa, den Wiener Heldenplatz, Mauthausen oder den Berliner Führerbunker. Jeder beliebige Flecken ist ein ebenso gutes Beispiel, wenn man genau nachsieht, kontaminiert und selten genug entgiftet.

Reden wir, schauen wir nach, machen wir die Erinnerung fest, und es wird uns besser gehen. Die vielfältigen Aktivitäten um das Denkmal der Namen in Villach sind ein wunderbares Beispiel dafür.

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Verena M. Groh, 2004-11-13, Nr. 1471

Diese Rede bedarf keiner Ergänzung. Laher hat es einfach erfaßt.
Sein Buch "Herzfleischeintartung" bekommt einen besonderen Platz in meinem Bücherregal.

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