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Stephan Jank

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2003-03-26

Krieg kommt von 'kriegen'

Eine Betrachtung

Nun, da wäre einmal die amerikanische Rüstungsindustrie. Die kriegt gut und gerne. Und zwar im Hunderte Milliarden Dollarbereich. Und weil die halt nicht ohne Beilagscheiben und Polsterbezüge auskommt, kriegen auch ihre Zulieferer. Im Zig Milliarden Dollar Bereich. Das freut dann die Krieger in den Aktionärsversammlungen dieser Corporations. Denn die kriegen dann den Löwenanteil dieser öffentlichen Investitionen. Investitionen, die ein einziges Ziel haben: Immerwährendes Kriegen.

Aber nicht alle Amerikaner sind Krieger. Kriegen etwa die hunderttausenden Arbeiter in diesen Betrieben? Nein! Denn der Großteil der Amerikaner ist friedliebend. Die kriegen wirklich kaum einmal. Aber manchmal kriegen auch die. Und zwar die Särge ihrer Söhne und Töchter. Mit Inhalt, wenn's gut geht. Dann kommt da noch die Fahne drauf; und ab in die Grube. Und so nebenbei bemerkt, sieht man beim Sargkriegen selten einen smarten Amerikaner im Kenzo-Anzug vor seinem 15 Liter fressenden Offroader. Die Sargkrieger sind nämlich verdächtig oft schwarz, haben T-Shirts an und leben eher selten in den gepflegten Vororten von Chicago oder Baltimore.

Dann gibt's da noch die Briten, die Italiener und die Spanier. Die kriegen ja auch. Und zwar das, was sie gewählt haben: Blair, Berlusconi und Aznar! Zyniker, denen qualifizierte Meinungsmehrheiten ihrer Bevölkerungen am Arsch vorbeigehen. Richtige Demokraten halt im Sinne von 'Herrschern über ihr Volk'.

Und all die anderen Europäer? Die kriegen ja nicht mit. Die Österreicher zum Beispiel kriegen nicht mit, dass ihr Minister Bartenstein die GATS-Verhandlungen der EU weiterhin massiv aus der öffentlichen Diskussion heraushält. Wer kriegt schon mit, dass ein österreichischer Minister einen Termin für einen EU-Hauptausschuss blockiert, weil dieser die einzige parlamentarische Möglichkeit darstellt, einen eventuellen Beschluss zur Ministerbindung innerhalb der EU-GATS-Verhandlungen herbeizufuehren?

Das wiederum freut die amerikanischen Krieger in den Vollversammlungen des Bechtel-Konzerns und von GE. Denn dadurch wird's in Europa um einiges leichter abgehen wie vor Bagdad, Mosul und Basra. Dort jedenfalls laufen die Leute nicht in blinder Idiotie dem entgrenzten Kapital in die erdrückenden Arme, wie Bartenstein und Kollegen hier bei uns.

Aber nicht nur auf europäischer Ebene, auch an der Heimatfront geht's um's Kriegen: Kriegt die Bank National de Paris (BNP Pariba) den Auftrag zum Cross-Border-Leasing des Salzburger Kananlnetzes? Und welcher amerikanische Konzern wird die Einnahmen aus diesem Deal an den Finanzbehörden seines geliebten Heimatlandes (God bless America) steuerschonend vorbeikriegen? Hier hält sich die Kriegsberichterstattung jedenfalls in Grenzen.

Aber vom Kriegen haben die Medien ja noch nie berichtet.

Eines wird jedenfalls klar: Nicht der Krieg ist der Vater aller Dinge. Das Kriegen hält den wirtschaftlich-militärischen Block am Laufen. Der Krieg ist nur ein Mittel der Krieger, um erneut zu Kriegen. Die wahren Krieger beteiligen sich nicht an militärischen Operationen. Ihre Waffe ist die Finanztransaktion. Diese ist die eigentliche Mother Of All Bombs (MOAB). Mit ihr entziehen die neoliberalen Krieger ihren Gesellschaften jene Luft, die diese zum Atmen brauchen. Gerade so wie eine Atombombe in der weiten Umgebung ihres Einschlags nichts anderes hinterläßt als totes Land und tote Menschen, Mister Blair.

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