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2007-03-11

Ist Export ein Wirtschaftsdelikt?

Bei diesem Text handelt es sich um einen KOMMENTAR VON AUSSEN in der Dezember2006/Jänner2007-Ausgabe der iv-positionen, der Mitgliederzeitschrift der österreichischen Industriellenvereinigung. Autor dieses Kommentars ist Christian Ortner.

Wenn nur sechs Prozent aller Lehrer die Globalisierung für etwas Wünschenswertes halten, ist Gefahr im Verzug.

Der Beruf des Lehrers ist bekanntlich ein ganz Besonderer. Denn in keiner einzigen anderen der Menschheit geläufigen Profession verbringt der Arbeitnehmer nahezu seine gesamte Biografie – vom spätestens sechsten Lebensjahr bis zur Pensionierung – im gleichen Bezugssystem, nämlich der Schule (den kurzen zweimonatigen Urlaub im Sommer mal ausgenommen).

Es verwundert angesichts dieser doch eher idyllischen Lebensverläufe daher nicht besonders, dass unsere Lehrer in aller Regel nicht gerade als glühende Verfechter von Markt und Wettbewerb bekannt sind, die unschuldige Kleine heimtückisch mit dem Gift des Neoliberalismus infizieren.

Stattdessen dominiert in vielen Fällen eine Geisteshaltung, der zufolge Geld aus dem Bankomat kommt und in erster Linie dazu da ist, Lehrergehälter und vielleicht noch ein bisschen erneuerbare Energieformen zu finanzieren.

Fällt in Gesellschaft hingegen das Wort „Profit“, bedarf der typische Lehrer umgehend des Riechsalzes. Man kann den österreichischen Schulen deshalb auch nicht wirklich vorwerfen, in nennenswertem Ausmaß besonders unternehmerisch denkende Menschen zu produzieren.

Unternehmer wird man hierzulande im Normalfall nicht wegen, sondern trotz der Lehrer und der von ihnen gebotenen Inhalte.

Doch auch wenn man hierzulande weiß, dass für die meisten Lehrer schon die Gründung einer Ges. m.b.H. einen irgendwie anrüchigen Tatbestbestand darstellt, so überrascht doch höchst unangenehm, was in diesem Herbst eine dank der politischen Großwetterlage viel zu wenig gewürdigte Umfrage unter 339 Lehrern zu Tage förderte.

Schnallen Sie sich bitte gut an, Ladies and Gentlemen: Von diesen 339 Lehrern sehen gerade einmal 6 % die Globalisierung positiv, ein Drittel hingegen betont kritisch. En vogue ist unter Lehrern hingegen die Ansicht, dass die Industrieländer des Nordens durch die Globalisierung reicher, die Entwicklungsländer hingegen ärmer würden; ebenso wie die Auffassung, die Globalisierung würde in Österreich Arbeitsplätze eher vernichten als schaffen.

Wenn diese Umfrage auch nur halbwegs stimmt (was leider zu befürchten ist), dann haben wir mit unseren Lehrern wirklich ein Problem. Denn was sie zu diesem zentralen wirtschaftspolitischen Zukunftsthema von sich geben, ist ungefähr so fundiert, als wären nur 6 % der Ansicht, dass die Erde um die Sonne kreist, während ein Drittel meinte, sie sei in Wahrheit eine Scheibe.

Jemanden, der so denkt, auf unschuldige kleine Kinder loszulassen, ist in hohem Maße fahrlässig. (Wobei der Schaden des astronomischen Irrglaubens noch gering ist im Vergleich zu jenem, den das wirtschaftspolitische Irresein des Lehrkörpers anrichtet.)

Dass Lehrer derartigen Nonsens ungehindert an den ihnen anvertrauten und ihnen ja hilflos ausgelieferten Nachwuchs weitergeben dürfen, stellt langfristig vermutlich ein gröberes wirtschaftspolitisches Problem dar als viele jener Agenden, mit denen sich die Politik tagaus tagein aufreibt. Wenn einer ganzen zukünftigen Generation vermittelt wird, dass genau jener freie Handel, der Basis unseres Wohlstandes ist, irgendwie odios ist, dann können wir uns eigentlich viele noch so gut gemeinte Maßnahmen zur weiteren Kräftigung unserer Wettbewerbsfähigkeit eigentlich gleich sparen. Auch der niedrigste KöSt-Satz wird dem Standort Österreich nichts mehr nützen, wenn von den potenziellen Eliten der nächsten Generation Export für eine Art von Wirtschaftskriminalität gehalten wird. Merkwürdigerweise ist Politik traditionell so gut wie völlig außer Stande, fundamentale Dysfunktionen wie diese zu reparieren. Dafür fühlt sich keiner zuständig.

Deshalb kann wohl nur Eigeninitiative hier Linderung schaffen: Wenn sie nicht wollen, dass ihre Kinder vollkommen verblöden, wird den Eltern wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich einmal ein bisschen näher anzusehen, ob deren Lehrer auch der Meinung sind, die Erde sei eine Scheibe, um die die Sonne kreist.

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