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Karin Thaler

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2006-11-21

Globales Lernen – die pädagogische Antwort auf die Globalisierung ?

Eine Einführung

Die Globalisierung schreitet so rasch voran, dass sie mittlerweile bereits öffentliche Bereiche wie die Bildung erfasst. Diese Entwicklung geht in Richtung einer „Vermarktwirtschaftlichung“ von Bildung – Bildung als Ware?! Unter Berufung auf ihre größere Effizienz, höhere Innovationsfähigkeit und bessere Kenntnis des Arbeitsmarktes üben Unternehmen heute einen noch nie gekannten Einfluss auf Leitung und Zielsetzung von Bildungseinrichtungen aus. Durch den so entstandenen Druck, nimmt die Konkurrenz in und zwischen den Schulen zu. Die Rahmenbedingungen, die für eine humane Schule und die Umsetzung der großen Ziele des neuen Lehrplans wie Teamarbeit, Projektarbeit, Öffnung der Schule, notwendig wären, werden nicht geschaffen, nicht einmal das Bestehende bleibt erhalten. Bildung verkommt zur Ausbildung, Bildung als „Qualifizierung“ für das Leben verliert immer mehr an Wert.

Deshalb stellt sich für mich die Frage: Wie kann Bildung den weltweiten Prozessen begegnen und Einsicht in die komplexen Zusammenhänge geben, ohne die Menschen zu überfordern bzw. wie kann jede/r Einzelne sein Leben als Teil des Weltgeschehens begreifen, seinen Platz darin finden und ihn in Verantwortung für sich und die Gemeinschaft ausfüllen?

Informationen und Wissensvermittlung reichen dafür nicht aus. Jede/r Einzelne muß bereit und in der Lage sein, die Widersprüchlichkeit der Lebenssituation in der er/sie steckt, auszuhalten, Entscheidungsfindungen neu anzugehen, sich in andere Sichtweisen hineinzudenken, sein eigenes Tun zu reflektieren, sich anderen mitzuteilen und Veränderungen in Angriff zu nehmen. Solche Bewußtheit, Verantwortung und Dialogfähigkeit sind wesentliche Voraussetzungen sowohl für einen gesellschaftlichen Neuanfang wie für einen positiven persönlichen Umgang mit immer mehr Fremdheit und mit biographischen Brüchen, die sich aus der globalen Dimension unserer Existenz ergeben können. Andernfalls wird die Suche nach einfachen Lösungen durch den Aufbau von Feindbildern, durch Fundamentalismus, Rassismus oder andere totalitäre Ideologien zunehmen.

Globales Lernen kann hier unterstützend wirken. Es kann versuchen, Antworten auf die vielen offenen Fragen und Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zu geben. Globales Lernen bezieht sich also nicht auf eine vordergründig wertfreie Bildung, sondern hat als oberstes Ziel die zivilgesellschaftliche Einmischung für eine zukunftsfähige Entwicklung.

Einige Elemente des Globalen Lernens:

Im folgenden einige Elemente des Globalen Lernens, die jede/r engagierte Lehrer/in bereits praktiziert hat, die aber in der Kombination von Inhalt und Methode im Globalem Lernen eine besondere Rolle spielen.

Globales Lernen ist ein integratives Lernkonzept, das Fragen der Friedens-, der Menschenrechts-, der Umwelterziehung und der entwicklungspolitischen Bildung einbezieht. Es stellt Schlüsselfragen zur zukunftsfähigen Entwicklung, sucht nach Antworten, ohne sie vorzugeben, muss offen für Korrekturen aus anderen Sichtweisen und neuen Entwicklungen sein.

Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung Globalen Lernens ist ein vielseitiger Ansatz, indem man gleichzeitig authentisch, an den Schüler/innen orientiert und um inhaltliche Konkretion bemüht ist. Authentisch sein bedeutet, sich mit seinem eigenen Lernprozess darzustellen, nicht als Besserwisser aufzutreten, sondern das eigene langsame Eindringen in die komplexen weltwirtschaftlichen und historischen Zusammenhänge an Beispielen nachvollziehbar zu machen. Dabei dürfen auch Schwierigkeiten benannt und ambivalente Haltungen dargestellt werden.

Den Kontakt zu den Schüler/innen suchen bedeutet, sie „dort abzuholen, wo sie stehen“, d.h. bei ihren Fragen, dem Bezug zu ihrem Leben und ihrer Sachkompetenz; gleichzeitig mit der Wissensvermittlung und –erarbeitung findet auch ein Stück Identitätsförderung statt.

Eine weitere wichtige Voraussetzung dafür, dass Globales Lernen stattfinden kann, ist die Veränderung des Rollenverständnisses von Lehrern/innen hin zu einer auf Gegenseitigkeit beruhenden Lehr- und Lernkultur, in der sich der/die Lehrer/in selbst als Lernende/r definiert. Der/die Lehrer/in sollte u.a. nicht immer im Mittelpunkt stehen, sondern die Schüler/innen miteinander aktiv und kreativ sein lassen, um die Vielfalt an Kenntnissen zu verdeutlichen und Kommunikation zu üben. Nur so wird es möglich sein, Menschen „heranzubilden“, die zu Neuem fähig sind und nicht nur nachmachen können, was frühere Generationen ihnen vorgemacht haben – schöpferische, erfinderische und entdeckungsfreudige Menschen aber auch kritische Geister, die in der Lage sind, zu hinterfragen und nicht nur hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird.

Ein Ansprechen möglichst vieler Sinne, das Einbauen gestalterischer oder spielerischer Momente sowie das Appellieren oder Heranführen an die Visionen der Schüler/innen spricht verschiedene Lernpotentiale an, ist lebendig und fördert die Einsicht in eigene Fähigkeiten und Wünsche. Perspektivenwechsel als wichtiges Lernprinzip und als Methode führt zur Relativierung der eigenen Sichtweise, befähigt zu Dialog und Begegnungen und nimmt Alternativen in den Blick.

Sich auf Lernprozesse einzulassen, die eine globale Perspektive ermöglichen, ist eine Herausforderung und faszinierende Aufgabe gleichzeitig, der wir uns stellen sollten!

Quellen:

Arbeitsmappe Globales Lernen DED
Helmuth Hartmeyer, Globales Lernen

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