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Walther Schütz

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2011-02-20

Vorbereitung auf den real existierenden Sozialdarwinismus

Ein – wahrscheinlich alltägliches – Dokument aus dem Überlebenskampf im Kapitalismus

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Neulich im Jänner an der Uni Klagenfurt. Ich schau mir ein Plakat an und mir wird ganz komisch:

Richtig niedergedrückt bin ich, als ich da lese von Assessmentcentern, für die man sich da vorbereiten könne, auf dass man geprüft werde, ob man sich harmonisch in ein Team einfüge. Auf dass man Bewerbungsunterlagen so erstelle, dass sie eine Visitenkarte seien, die einem die Türen öffnen. Auf dass man sich fit mache für das Bewerbungsgespräch!

Wahrscheinlich wird sich so mancher denken, was hat er denn jetzt schon wieder, der Walther, das ist doch schon lange so, das ist halt die Realität. Und was ist denn da schon dabei, ist doch richtig, dass nur die Geeignetsten an der richtigen Stelle sitzen, oder?

Mir aber wird ganz Angst und Bang. Wahrscheinlich würde ich nie einen Job bekommen unter diesen Bedingungen. Was bin ich doch für ein Würstchen im Vergleich zu den tollen Typen, die da so fit sind rund um mich herum, die sich da so harmonisch in die Teams einfügen, die überzeugen, bestechen und damit ausstechen, die so perfekt sind?

Aber wahrscheinlich geht's nicht nur mir so, denk ich mir, denn irgendwoher müssen sie ja kommen, die vielen Menschen, die schon mit 30 einen „Workability Coach“ brauchen, ausgebrannt vom Profilieren, vom Erfolgreichsein-müssen, von der Jagd nach dem Glück, das ja die Belohnung des Erfolgs darstelle... Scheiß drauf!

Das einzig Positive: Nach dem Ende der paar unselig-seeligen Jahrzehnte von Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung verfliegen die Illusionen über den Kapitalismus. Höchste Zeit nachzudenken über ein anderes Miteinander, über ein unentfremdetes Für-sich- und Füreinander-Tätigsein jenseits der Erwerbsarbeit, jenseits von Hierarchien und Chefs und (Selbst-)Vermarktung.

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Franz Schandl, r Ökonomie des Tötens

Walther Schütz, r Für einen Perspektivenwechsel im Irrenhaus

Walther Schütz, r Job & Karriere

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earthship-michi, 2011-02-21, Nr. 5062

lieber walther,

ich versteh' gut, was du meinst - allerdings kenn' ich auch die andere seite. ein paar mal in meinem berufsleben war ich schon in der situation, jemanden einstellen zu müssen und die liste der bewerber/innen war dementsprechend lang. wer arbeitet nicht gern als IT-lehrling oder IT-mitarbeiter/in?

und da ist mir zum ersten mal richtig bewusst geworden, was es mit dem vitamin B auf sich hat. jemanden, den du schon kennst und mit dem du schon einiges bewegt hast, den stellst du natürlich gern und mit einem entsprechenden vertrauensvorschuss ein (vielleicht auch zu unrecht), jedenfalls weißt du aber schon etwas über deine/n neue/n kollegen/in und kannst in etwa abschätzen, wozu er/sie in der lage ist. denn, dass ein/e mitarbeiter/in auf eine stellenbeschreibung "zurecht geschnitten oder gebogen" werden kann, ist - in meinen augen - einerseits menschenunwürdig und andererseits - bereits von namhaften psychologen festgestellt - nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. das heißt, du musst bei der einstellung bereits davon überzeugt sein, dass der/die neue mitarbeiter/in seiner/ihrer aufgabe auch gewachsen ist. - nur wie stellt man das nun wieder fest?

wenn ich also an die hundert bewerbungen vor mir liegen habe, kann ich nicht einmal alle 100 bewerber/innen zu einem persönlichen gespräch einladen. ich schau' mir also die bewerbungsunterlagen an - wohl wissend, wie trügerisch diese kriterien sind. weder foto noch zeugnisse noch bewerbungsschreiben noch lebenslauf können etwas über die zukünftige arbeitsbeziehung, in der wir stehen werden und deren fruchtbarkeit ich gegenüber meinen vorgesetzten verantworten muss, aussagen. wie immer in einer führungsposition kann ich nur an hand der zum entscheidungszeitpunkt vorliegenden informationen und anhand meines wissensstandes bewertbare kriterien abwägen und die entscheidung treffen, hinter der ich in diesem moment am besten stehen kann, denn die werde ich auch zu einem späteren zeitpunkt und besseren oder weitreichenderem informationsstand auch "verteidigen" können.

also werd' ich die 10 menschen zu einem vorstellungsgespräch einladen, deren unterlagen mir am besten gefallen, weil ich das gefühl habe, dass diese 10 etwas besonderes mitbringen (wohlwissend, dass ich damit 90 anderen sicher auch unrecht tue). diese besonderheit kann nun ein freundliches gesicht, besondere kenntnisse in open source software, "tolle noten", besonderes engagement in div. projekten oder - bei schulabgängern - (außer)schulischen aktivitäten, interessante hobbys und interessen, etc. sein. dass all diese kriterien - schwarz auf weiß - im bezug auf die künftige arbeitsbeziehung eigentlich meist einen furz wert sind, getürkt sein können, ist mir alles klar.

dann lade ich mir die 10 menschen ein und nehme mir 30 bis 60 minuten zeit, mit einer kollegin aus der personalabteilung, um sie kennen zu lernen. wenn mir der/die eingeladene zu verstehen gibt, dass er/sie gern waffen sammelt und am liebsten schon mit 17 zum bundesheer gehen würde, dann ist das für mich ein grund, ihn/sie eher nicht in die engere wahl aufzunehmen, mit so jemanden würde ich ungern meine zeit verbringen, auch wenn das null über seine fachliche qualifikation aussagt. wenn jemand sehr aufgeregt ist und vielleicht auch noch etwas herumstottert, so zeigt mir das, dass ihm/ihr der job vielleicht so wichtig ist, dass die (prüfungs)situation des vorstellungsgesprächs ihn/sie vielleicht nur "übermannt" und er/sie sich komplett "reinhängen" wird, um ihn auszufüllen, auch wenn das nichts über seine qualifikation aussagt.

letztendlich entscheide ich dann aber anhand von "quasi-objektiven" kriterien, ob der mensch ins team passt, dann gibt's noch ein gespräch mit dem/den kollegen, mit dem/denen der/die neue mitarbeiter/in hauptsächlich zusammen arbeiten wird um zu sehen, ob die chemie stimmt.

und eigentlich bin ich jetzt schon im erklärungsnotstand, warum ich so viel zeit auf eine einstellungsentscheidung verbrate und andererseits bin ich genauso im erklärungsnotstand, wenn ich herausfinde, dass der/die neue mitarbeiter/in nicht in der lage sein sollte, die ihm/ihr zugedachte aufgabe zu erfüllen. dann muss ich nämlich verantworten, dass wir zeit und damit auch ressourcen der firma in einarbeitung und ausbildung umsonst investiert haben, nochmal an den start müssen und die aufgabe noch immer nicht erfüllt wird. letztendlich ist es aber die selbe angelegenheit, wenn ich über einen lieferantenzuschlag oder eine projektpartnerauswahl entscheiden muss. fehler kann sich der auswählende einerseits nicht leisten, andererseits wird es im nachhinein betrachtet aber immer möglichkeiten geben, die sich als besser aussehend erweisen, schon deshalb, weil man von den alternativen einfach weniger weiß, als von den getroffenen entscheidungen.

schlimm an der entscheidungsproblematik ist, dass sich einerseits in unserem fall möglicherweise 99 existenzmöglichkeiten nicht verbessern können, weil ich ihnen die chance eines erwerbseinkommens vorenthalten muss, andererseits aber auch die firma anhand einer falsch getroffenen entscheidung in schwierigkeiten geraten kann und damit vielleicht einige hundert existenzmöglichkeiten sich verschlechtern können. auch hier tritt IMHO wieder der irrglaube von transparenten marktentscheidungen und vollkommenem wissen zu tage und das assessment center wird als werkzeug angeboten, diesen irrglauben aufrecht zu erhalten, genau so wie die "psycho-tests" die du bei div. personalvermittlern machen musst (wo ich echt bedenken hatte, meine potentiale so offen zu legen, ist ja schließlich keine therapiestunde und was geht einen potentiellen dienstgeber meine einstellung zu gerechtigkeit an, wenn ich nichtmal weiß, wer der potentielle dienstgeber ist). dass dann an der uni ein training für diese fraglichen werkzeuge angeboten wird, ist nur konsequent. aber so ist das halt mit einem naturwissenschaftlich orientierten weltbild, in dem man glaubt, alles objektiv messen und wiegen zu können.

was ich gut verstehen kann, ist das unbehagen, das eintritt, wenn du weißt, dass man auf das zu beurteilende verhalten auch noch trainiert werden kann. wozu braucht man diese entscheidung dann noch als entscheider? und wie erst muss sich jemand fühlen, wenn er sich für den angestrebten job "verbiegen" muss, um überhaupt angehört zu werden?

- wie gefällt mir da die idee des bedingungslosen grundeinkommens, dass bewerber/in und entscheider/in auf die selbe augenhöhe bringt. wie toll wäre es als entscheider/in nur bewerber/innen zu haben, die den job wirklich wollen und ihn auch ausfüllen können? und wie super wär es, sich nur für einen job bewerben zu müssen, den man wirklich machen will - ohne gedanken an super bezahlung - oder auch nicht, prestige, benefits, stress, burn-out-gefahr, zeitdiebstahl etc.

mimenda, 2011-02-21, Nr. 5063

Lieber Walther,

meines Erachtens könntest du dich ganz unbesorgt in ein Vorstellungsgespräch begeben. Denn du hast was zu sagen. Jene hingegen, die sich fit machen müssen, um bloß diesem Eindruck Vorschub zu leisten, haben diesen Schmarrn bitter nötig. Es tut daher nicht Not, sich gegenüber dieser im Grunde bedauernswerten Klientel klein zu fühlen.

Etwas anderes ist vielleicht die Frage, wie man das, was man zu sagen hat, so an den "Mann" bringt, dass dieser versteht und den Kandidaten ermächtigt, bei der Arbeit das zu tun, wofür er eingestellt wurde. Aber da wo vor allem mit Sprechblasen und Versatzstücken Eigenwerbung gemacht werden soll, fallen ungestreamlinete Menschen eher auf als durchgestylte Leut.

Natürlich ist es entscheidend, wem man beim Vorstellungsgespräch gegenüber sitzt. Dennoch gewinne ich immer mehr den Eindruck, als sei das Pfund, mit dem ein selbständig denkender Mensch wuchern kann, das gerade Gegenteil dessen, was den armen Studenten als Methode zum Einstieg in die Karriere verkauft wird.

Bewerbungen, die dem Muster entsprechen, das du kritisiert, wandern bei mir jedenfalls schon nach den ersten paar Zeilen in den Papierkorb. Und ich wage mal die Behauptung, dass ich da keine Ausnahme bin.

Denn auch die Wirtschaft braucht Personen, die Vorbilder in ihrem Bereich sein können und keine Abziehbilder, die überall halbherzig kleben.

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