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2007-11-23

Wortschleuder

Liebe Freundinnen und Freunde von kärnöl!

Wussten sie, dass bereits 1767 der Regensburger Theologe Jacob Christian Schäffern, ein Zeitgenosse von Jeremy Bentham, dem Erfinder des Benthamschen Panoptikums, eine Rührwortflügelmaschine und bereits 1851 Hamilton Smirt eine Trommelwortmaschine entwickelte.
Wussten sie auch, dass eine Wortschleuder (auch Wortzentrifuge) ein Haushaltsgerät in Fassform ist, welches dazu genutzt wird, feuchte Wörter unter Ausnutzung der Fliehkraft maschinell vorzutrocknen. Bis in das späte 19. Jahrhundert war nicht nur die Handwäsche der Wörter, sondern auch das anschließende Auswringen eine Arbeit, welche die Armmuskulatur der Wortwäscherinnen, aber auch das Sprechgewebe der Wortstücke stark beanspruchte.
Wesentlich einfacher war der sozialemanzipatorische Wortwasserentzug mithilfe der ersten Wortschleudern, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden und zunächst noch händisch zu betreiben waren.

So wurden in großen Städten Probewortwaschtage mit Schauwortschleudern abgehalten, um Werbung für die damals neue Technologie zu machen. Von einer solchen Veranstaltung berichten die Innsbrucker Nachrichten vom 6. April 1889:

„Gestern nachmittags fand im Hofe des Kulturgasthauses Bierstindl; ein Schauwortwaschen und Schauwortschleudern statt, welches von Fr. Mieze Medusa und Hrn. Markus Köhle mit einer autohr Patentwortwaschschleudermaschine ausgeführt wurde. Die Produktion, wenn man so sagen darf, wurde von einer stets wechselnden Menge Damen auf das Aufmerksamste verfolgt. Mittelst der Maschine ist man im Stande, in 5 Minuten jedes Wort (es wurde auch mit solchen experimentiert, die herzlich braun waren) in einer Art zu reinigen, wie es mit solcher Schonung der Wörter und solcher Ersparung an Brennmaterial und Arbeitskraft unter keinen Umständen sonst geschehen kann. Dazu kommt, dass die Maschine, Dank der detailgetreuen Anleitungszeichnungen von Robert Schöffmann höchst einfacher Konstruktion ist, sodass sie ohne jede Schwierigkeit von jedem Dienstboten bedient werden kann. Die Leistungsfähigkeit der autohrmaschine – man kann ein Quantum von 20 Frauen- oder Herrenwörter in 5 Minuten rein haben – steht wohl einzig da. Dabei ist der Preis einer ganz geringer. Fr. Mieze Medusa und Hr. Markus Köhle sind bereit, in jedem Hause, wo man es verlangt, ein Probewortschleudern abzuhalten.“

Es hat einige Zeit gedauert, genau genommen 118 Jahre, bis Frau Mieze Medusa, Herr Markus Köhle und Herr Robert Schöffmann dem Verlangen kärnöl´s ein Wortbildschleudern abzuhalten, nachgekommen sind.

Holt, irgendetwos stimmt do net. Wenn de Mieze Medusa, da Markus Köhle und da Robert Schöffmann vor 118 Johr zum letztn Mol bei kärnöl im Cafe Platzl worn, dann wär i jetzan, wortets amol, bevur i ins schleidan kum, jo 169 Johr olt?
Egal, wird wohl in de letzten Johr gewsen sein, dass de drei uns a poar schenan stundn mit senara ihra kunst bei kärnöl gmocht hobn, wo ma bis ma zum betn spöt kumman san, palavat hobn.
Auf jedn Foll hobn de Spoken Word Performerin Mieze Meddusa, da Lautsprecher Markus Köhle und da Büldlschleuderer Robert Schöffmann a neies Programm zommangstöllt. Nix und nermand bleibt do vaschont. Unghertes, ungsehganes wird vastärkt und unvaschämtes anfoch ongeprongat. Do werdn eich heit Texteia glegt, Sotzgeschoße und Büldkugln werdn querschlogn. Do wird enka Olltog durch de ongebli zuckasiße Hohnbrülln ongschaut und da Muat zum Seulbahintafrogn gonz groaß gschriebn. Bei dem Wortbüldschleidagong bleibt ka Eigle trockn.

Bevur´s oba soweit is und i enk im noman von kärnöl an guatn obnd winsch, mechat i den Josip Majewski noch bittn, de neiaste CD-Produktion der Edition kärnöl kurz vur zanstölln.
Oba a da Robert V Kravanja, des is der, der di bülda vom Robert Schöffmann und de Texte von Markus Köhle auf Pizzaschochtln unta de Leit bringt, damit se a bam Essn von seine supanan Pizza mitkriagn, wos Kunst is, kennt unsa de neiastn Pizzaschochtln zagn. I hob do wos leitn kehrt - sicha nennt in da klan Zeitung glesn, do werdn heit nemli unsare drei Stargest öls a Kohr ongekinntigt - und so wia i den V kenn, der se nennt lumpan loast, kriag ma de Pizzaschochtln zomnt guatn Inholt zum sehn. Den Inholt diarfst a kostn, derwal da Kohr, der eigentli goar kanna is, sicha goar net karntnarisch singan tuat.

Donk schean fiars zuarlosn und seits man et bes, doas i bei meina red ins schleidan kumman bin. Grod deswegn winsch i eich an scheanan Obnd mit da Mieze Medusa, dem Markus Köhle und dem Robert Schöffmann.

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Podiumsdiskussion mit: Eva Weissenberger, Kleinen Zeitung (Moderation); Elias Bierdel, Friedenszentrum Schlaining; Bettina Gruber, Uni Klagenfurt; Heinz Patzelt, Generalsekretär, Amnesty International Österreich
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Freitag, 19. April 2013
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