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Clemens Scharf

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2006-12-19

(Un)heimlich aufgeklärt

(Un)heimlich aufgeklärt
Es war einmal aufgeklärt, wer nicht an den Klapperstorch glaubte, im Nikolaus den Vater oder Onkel sah und keinen Wunschzettel ans Christkind schrieb. Heute bekommen die Eltern Bilder ihrer ungeborenen Kinder per Ultraschall. Der Nikolaus nennt sich Weihnachtsmann, trägt einen roten Bademantel und einen Zuckerwattebart, ist so demonstrativ verkleidet, dass nichts Wunderliches mehr an ihm ist als bloß das Billige seines „Ornats“. Und das Christkind hat sich längst schon aus dem Staub gemacht.

Wo sind nur die „Wunder“ geblieben? Und warum werden sie im öffentlichen Leben geradezu exorziert, als müsste man sie scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Weihwasser! Ja, der Segen, der über es ergeht, macht es dazu: aus dem Wasser wird ein Zeichen (lat. signum). Und dadurch gewinnt es sowohl äußere wie auch innere Bewandtnis, wird für den, der das Zeichen versteht, zu mehr als der schlichte Gegenstand selbst.

Es liegt mir fern, magischem Denken das Wort zu reden. Als ein sich aus Gewohnheit für aufgeklärt haltender Mensch bin ich zutiefst skeptisch gegenüber all jenem, was sich der Erklärung oder Aufklärung entzieht oder, was noch schlimmer ist, sie willentlich verweigert. Dabei habe ich weniger Probleme mit dem christlichen Brauchtum, das ich mit der Muttermilch aufgesogen habe, als mit esoterischen Denkmustern. Aber auch die christlichen Zeichen und Dogmen bleiben nicht von der Skepsis verschont, denn so wie meine Vorfahren sie einfach hinnahmen, geht es nicht mehr. Als „moderner“ Mensch muss ich meine Wahl treffen, mich entscheiden dafür, etwa in der Dreifaltigkeitslehre tiefste Spiritualität zu sehen, und dagegen, z.B. wider den Marienkult, dem ich nichts abgewinnen kann oder will. Und ich behaupte, dass es einem jeden Christ heute so gehen muss, wenn er denn sich ein X nicht für ein V vormachen lassen will, will sagen, wenn er seinen Verstand gebraucht.

Andererseits hat es den Anschein, als sei gerade auch der Verstand die crux des modernen Denkens und Lebens. Und dies deshalb, weil er sich am Vordergründigen misst und an diesem sich abarbeitet, aber kaum mehr Hintertüren lässt, hinter welchen das Dunkle noch existieren dürfte. Alles gibt sich nachdrücklich aufgeklärt, es gibt kaum etwas Unheimliches und damit auch nichts Heimliches mehr. Heimlich im Sinne von geheimnisvoll, verborgen, vertraut, heimelig: all jenes doch Bedingung jedweder sinnlichen und spirituellen Erfahrung.

Alles scheint mir – gerade im Advent – merkwürdig leer, ja geradezu entseelt, vielleicht weil dieser ja wie ehedem irgendwie noch mit dem Versprechen hausieren geht, es gäbe da noch etwas, auf das man sehnsüchtig zu warten hätte. Und wenn man einmal das Glück hat, in einem kleinen hübschen Dorf einen ausgesprochen geschmackvollen Weihnachtsmarkt zu besuchen, holen einen sogleich die Lautsprecherkinderstimmen auf den profanen Boden, die gewollt kitschiges, mit Hall unterlegtes neues „Liedschlecht“ daherträllern und altes Liedgut entweihen. Ja, wo der moderne Mensch „heimlich“ tut, wird er mir unheimlich, so leid mir das andererseits auch ist, weil ich inmitten des Vorweihnachtstrubels Spielverderber bin und sein muss.

Wenn es indes so ist, dass der Verstand vorwiegend Vordergründiges zum Gegenstand hat, bleibt ja dennoch jenes im Hintergrund bestehen, welchem sich der Verstand nicht widmet, wird womöglich durch die Vernachlässigung sogar stärker, schürt Angst, welcher durch nochmals verstärkte Vordergründigkeit begegnet wird. Wir dünken uns erhaben, über den Dingen, glauben, alles zu wissen, alles im Griff zu haben, aber wir glauben uns selbst nicht so recht in unserem Hochmut. Wohl unter anderem deshalb greifen wir so oft zur Vorneverteidigung, stellen das, was vor uns war als minderwertig hin und zugleich alles Gegenwärtige, das sich dem Zwang zur Uniformität – auch dieser in meinen Augen bloß ein unbeholfener Versuch, die Furcht zu bändigen – nicht beugen will. Ähnlich wie einer, der mit 40 auf seine Jugend zurückblickt und sich sagt, das damals sei er nicht gewesen, erst jetzt sei er reif und ein vollwertiger Mensch. Was wird er mit 60 von sich als Vierziger denken oder gar mit 80? Wäre die Menschheit reif, dann wäre sie es wert zugrunde zu gehen. Da sie es nicht ist, wartet sie darauf, es zu werden und richtet sich dabei durch ihren Aktionismus zugrunde, der sie davon abhält, mit der innerlichen Reife die äußerliche einzuholen.

Advent, Warten auf Aufklärung, auf das innere Licht, das in die Welt kommen soll. Und da wir uns zwar ängstlich, aber immerhin hinreichend von Außen be- und erleuchtet fühlen, sehen wir es nicht, nehmen seine Zeichen nicht als solche wahr und können sie folglich auch nicht deuten. Und darum wird es halt immer noch früh dunkel, Jahr um Jahr, nicht nur zur Weihnachtszeit.

Wir glauben […] daß die Ursache des Rückfalls von Aufklärung in Mythologie nicht so sehr bei den eigens zum Zweck des Rückfalls ersonnenen nationalistischen, heidnischen und sonstigen modernen Mythologien zu suchen ist, sondern bei der in Furcht vor der Wahrheit erstarrenden Aufklärung selbst.

Max Horkheimer; Theodor. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Amsterdam 1947, S. 8.

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Josef Neugebauer, 2006-12-21, Nr. 3037

Na schau mal an, endlich einer aus den Reihen der "gscheiten und wissenden Widerständler", der sich auf die Wahrnehmung der Wahrheit einläßt und noch dazu Adorno und Horkheimer zitiert - eine wunderbar andere Lesart der Wirklichkeit!

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