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Hans Haider

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2005-02-28

März 1938 in Villach

Der März 1938 gehört zu den einschneidensten Daten der österreichischen Geschichte. In jenen Märztagen verlor unser Land für sieben Jahre seine Eigenständigkeit. Der Einmarsch deutscher Truppen in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 brachte das Ende der Existenz Österreichs als selbständiger Staat. Dieser unheilvolle "Nachhauseweg" Österreichs "heim ins Reich" begann aber schon lange vor dem März 1938, denn die Anschlußbefürworter waren in Österreich in allen politischen Lagern, mit Ausnahme der KPÖ, weit verbreitet. Für viele Österreicher war der Anschluß eine Befreiung. Große Hoffnungen wurden damit verbunden und dementsprechend groß war der Jubel der Massen in den Märztagen 1938. Endlich durfte der Hitlergruß öffentlich verwendet werden; endlich hörte die Zeit des Verbergens auf. und die Abzeichen mussten nicht mehr unter dem Revers versteckt getragen werden. Aber für unzählige andere, wie Juden, Roma, Sinti, Kommunisten, Sozialisten, Zeugen Jehovas und Homosexuelle begann eine Zeit der Verzweiflung, der Angst, des Versteckens, der Verfolgung, der Emigration und der Deportation.

Trotz des Jubels der Massen, der seither das Bild vom "Anschluß" prägt, ist es eindeutig: Österreich wurde 1938 besetzt und 1945 von alliierten Truppen befreit. Noch heute gibt es viele Mitbürger, die das Jahr 1938 als Befreiung und 1945 als Niederlage verstehen wollen. Eine so gegensätzliche Geschichtsbetrachtung macht es notwendig, sich auch heute mit dieser Periode der Geschichte Österreichs auseinanderzusetzen. Zwei Villacher Textdokumente aus dieser Zeit sollen davon einen ersten Eindruck vermitteln:

Bücherverbrennung im Schulhof des Peraugymnasiums am 30. April 1938.

Der ehemalige Schüler W. F. erinnert sich:
Eines Tages teilten uns die Klassenvorstände mit, dass alle Schüler der Oberstufe am späten Nachmittag in der Schule erschei­nen müssen. Wir versammelten uns im Schul­hof, wo uns die Klassenvorstände schon erwarteten. Der Schuiwart hatte bereits einen großen Holzhaufen aufgeschichtet und wir mussten uns im Karree - eine Seite blieb offen - um den Holzhaufen herum austellen. Auch einige Klassen­lehrer waren anwesend. Nun wurde der Holzhaufen vom Schuiwart ange­zündet. Kurz darauf kam Direktor Dr. Poitner mit einigen Büchern unter dem Arm aus einer Seiten­tür heraus. Langsam schritt er auf das Feuer. Einige Meter davor blieb er stehen. Er holte ein Buch nach dem anderen unter dem Arm hervor und warf es mit „würdevoller Geste“ in das Feuer. Jedesmal applaudierten und jubel­ten wir. Anschließend hielt der Direktor eine kurze Rede und wir durften wieder nach Hause gehen.

Frage an W. F.: Ein Monat vorher hat Prof. Kmeth Selbstmord verübt. Warum?
Prof. Kmeth unterrichtete Geo­graphie und Geschichte. Er ge­hörte dem christlich sozialen Lager an, für das er sehr engagiert eintrat. Schüler von denen er wusste, dass sie der illegalen Hitlerjugend angehör­ten, wurden von ihm nicht gera­de freundlich behandelt. Nach dem Anschluss hätte er sicherlich einiges zu befürchten gehabt. Das wusste er und so zog er es vor sich des Leben zu nehmen.

Aus der Chronik des Peraugymnasiums

12. März 1938:Der Direktor informiert die Schüler vom Umbruch. Anschließend findet eine Lehrerkonferenz statt, die sich mit der Weiterverwendung von Lehrkräften auseinandersetzte.
14. März 1938:Professor Dr. Karl Kmeth, Lehrer für die Fächer Geschichte und Geographie, begeht Selbstmord.
21. März 1938:Schulfeier anlässlich der „Heimkehr Österreichs ins Mutterreich“. Ein ehemaliger Schüler spricht aneifernde Worte. Feierliche Fahnenhissung, anschließend Marsch der Jugend durch die Stadt.
22. März 1938:Wiederaufnahme des regelmäßigen Unterrichtes, allerdings empfindlich gestört durch das Fehlen von sieben Lehrkräften.
30. März 1938:Adolf Hitler fährt durch Villach. Empfang auf dem Bahnhof. Schulfrei!
30. April 1938:Bücherverbrennung im Schulhof. Es werden u. a. folgende Bücher verbrannt: Der Bundespräsident spricht, Dollfuß, Wilhelm Miklas, Österreichische Frontmiliz, Grundlagen der vaterländischen Erziehung, Der Jugendführer, sowie Schriften des Pädagogischen Institutes und Lehrbücher der Geschichte.
29. April 1939:Eine siebente Klasse des Peraugymnasiums tritt vom 29 April bis 4. Mai 1939 eine Reise nach Nürnberg und München an. Dort sind die Schüler Gäste des “Führers“.

Eine Schülerin berichtet:
“Wir sitzen im Theater, als plötzlich von irgendwoher die Nachricht kommt, der Führer sei in Nürnberg. Nun kennen wir keinen größeren Wunsch, als ihn zu sehen und ihn wenigstens von ferne zu grüßen. Aber schon hat Adolf Hitler uns gesehen, kommt auf uns zu, und als er hört, daß wir Kärntnerinnen sind, lädt er uns ein, als seine Gäste im Deutschen Hof bei ihm zu bleiben. Und dann kommt Adolf Hitler und setzt sich unter uns, unter seine Kinder, wie er immer sagt. Sein gütiger Blick wandert über die hellen und dunklen Mädchenköpfe und senkt sich tief in unsere Augen, aus denen ihm unendliche Liebe und Verehrung entgegenstrahlt. Seine klare, dunkle Stimme klingt auf, er befragt uns über den Verlauf unserer Reise und über unsere Eindrücke. Er spricht von seinen Plänen zum Neubau des Germanischen Museums in Nürnberg, erzählt von seiner Jugend- und Schulzeit. Wir sind uns darüber im klaren, daß diese Stunde wohl die größte und gewaltigste unseres Lebens bleiben wird. Dann unterschreibt er eine ganze Menge von Bildern. Ganz leise singen wir während dieser Zeit zwei schöne, innige Kärntnerlieder und danken ihm so für seine Güte. Nun heißt es, schweren Herzens Abschied nehmen.“

Quelle: Archiv Peraugymnasium-Villach

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Walther Schütz, 2005-02-28, Nr. 1833

Wurde Österreich 1945 befreit?

Lieber Hans!

Herzlichen Dank für deinen Beitrag. An einem Punkt komme ich damit allerdings nicht ganz klar. Du schreibst: "Trotz des Jubels der Massen, der seither das Bild vom "Anschluß" prägt, ist es eindeutig: Österreich wurde 1938 besetzt und 1945 von alliierten Truppen befreit." So habe ich es gelernt, das ist die klassisch staatsmännisch-österreichische Sichtweise. Und sie hat - historisch gesehen - ihre Berechtigung gegenüber den NS-Nostalgiker/-innen, die sich ja 1945 wirklich als besetzt definiert haben und dem untergegangenen Dritten Reich nachtrauerten. Man erklärte klar, was falsch und was richtig war!!! Auch auf einer staatspolitischen Ebene machte sowas Sinn, man machte einen ganz klaren Neubeginn.

Und dennoch: So ganz richtig ist es nicht - dann nämlich, wenn man die Sichtweise auf Staaten verlässt und Geschichte als gesellschaftliche Auseinadersetzung zwische Klassen, Ideologien, Schichten, Bewegungen sieht, dann muss man schon sagen: Die Nazis - und das war damals wohl die Mehrzahl von den auf dem Gebiet geborenen, das heute Österreich genannt wird - haben 1938 gesiegt. Und sie haben 1945 verloren. Und das war eben nicht (nur) das Deutsche Reich, das waren unsere Mit(un)menschen, das wären womöglich sogar wir gewesen, sofern wir uns nicht dem antisemitischen Wahn und dem Kampf gegen alles emanzipatorische entziehen hätten können. Das ist keine Entschuldigung, ganz im Gegenteil: Die Gesellschaft / "unsere" Gesellschaft in Mitteleuropa war weitgehend eine Gesellschaft von Verbrecher/-innen, und die (wir) haben eines auf die Rübe bekommen, die (wir) wurden (vorläufig) besiegt - der Roten Armee, den Partisan/-innen, der US-Army, der britischen Army sei Dank.

Walther

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